Neun Dinge, die ich am Tag 1 der #RP12 gelernt habe

Erster Tag an der Re:publica 12. Das habe ich gelernt:

1. Schönheit ist nicht nur eine Frage des Aussehens, sondern auch der Interaktion (Patrizia Marti, University of Siena). Ist eigentlich bei einem Menschen auch so.

2. Mir erschienen bis anhin die destruktiven DDOS-Attacken auf Websites von “böse” Unternehmen, die z.B. die demokratischen Grundrechte der Bürger beschneiden, fehl am Platz. Aber man kann sie auch als die digitale Form von Sitzblockaden vor einem Firmenhauptsitz begreifen (Jacob Appelbaum). Ist also eine DDOS-Attacke ein demokratisches Grundrecht?

3. Obwohl bereits das deutsche Handelsgesetzbuch (musste ich im Studium durchackern) um einiges dicker ist, als das gesamte Obligationenrecht der Schweiz, fühlen sich deutsche Startup-Unternehme in Deutschland anscheinend wohl und möchten wenig ändern. Dafür werden Forums- und Blogbetreiber – typisch deutsch (!) – abgemahnt und verklagt, wenn kritische Äusserungen von Usern verfasst werden. Die Deutsche Rechtssprechung beschneidet aktuell das Grundrecht auf die freie Meinungsäusserung massiv zugunsten von Unternehmen. Eine krasse Zensurmaschinen wurde da kreiert und dubiose Reputationsdienste verdienen sich dumm und dämlich.

4. torial.de ist eine spannende Mischung aus Dropbox und Evernote. Journalisten sollten unbedingt reinschauen. Bei eyequest.de kann man sich Fotos und Videos von Location von anderen Usern schicken lassen, um sich ein Bild vom Restaurant oder Party zu machen. Ob das einschlägt ist fraglich. Erstaunlich: Alle Startups hatten kein überzeugenden Business-Case resp. sich kaum darüber Gedanken gemacht. #Investorenblase?

5. In Kenia kann man mehr Leute mit Mobiltelefonen erreichen, als mit dem Radio.  Die Milch-App iCow hilft den Bauern 1-3 Liter mehr Milch pro Kuh zu generieren und statt Banken gibt’s mpessa, eine sms-basierte Pear-to-Pear-Lösung, um Geld auszutauschen.

6. Alle Events haben das WiFi-Thema null im Griff haben (obwohl Vodafone die #rp12 sponsort). Im Gegensatz zum LeWeb gibt es aber an der re:publica nicht mal Steckdosen unter jedem Stuhl. Nächstes Jahr sollte EON Sponsor werden. Der Vorteil an der schlechten WiFi-Abdeckung: Die Timeline beim Hashtag #rp12 ist noch sehr übersichtlich, obwohl sich 2500 Besucher in der Station tummeln.

7. Videos sind zwar cool. Wenn aber jeder Speaker zuerst mal ein Video zeigt – schlimmstenfalls von dem, was er zuvor bereits mündlich gesagt hat, werden auch audiovisuelle Präsentationsformen laaaaaaangweilig. Zudem nerven mich zwei Wörter immer mehr: Freemium und Gamification. Sie lösen anscheinend alle Probleme. Wann werden wir mal wieder innovativ?

8. Die Caterer mit dem treffenden namen “Monopol” an der re:publica scheinen gut zu verdienen. Immerhin trägt der Junge an der Kaffeemaschine eine BigBang von Hublot. Wartezeiten sind aber ok und das Essen ist recht vielseitig und lecker. Der Espresso richtig gut.

9. Sascha Lobo benutzt immer noch Pagesviews als Gradmesser für die Internutzung, was total falsch ist. Wo er recht hat: Wenn man ein Buzz-Word genug oft benutzt, wird ein Budget daraus. Er hat mich mit einem sehr guten, in der Mitte etwas langfädigen Vortrag positiv überrascht. Grosses Kompliment. Ach Sascha, und gibt’s narrativ wirklich als Substantiv?

About these ads
Getaggt mit , ,

3 Gedanken zu “Neun Dinge, die ich am Tag 1 der #RP12 gelernt habe

  1. [...] gestrige Tag war inspirierend: hier meine 9 Learnings. Der heutige war es weniger. Deshalb habe ich heute eine quantitative Analyse gemacht. Da der WLAN [...]

  2. [...] nichts anderes als digitale Sitzblockaden sind. Eine Diskussion, die ich gerne mal mit Mike Schwede vertiefen möchte. Lesenswert dazu auch der Blog von [...]

  3. Andre sagt:

    Danke für die tollen Inspirationen. Eine Frage zu “In Kenia kann man mehr Leute mit Mobiltelefonen erreichen, als mit dem Radio.”: Geht es dabei um Besitz oder um Nutzung oder um was? In Deutschland wäre es nach Nutzung ähnlich – würde ich mal vermuten.

Was meinst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 50 Followern an

%d Bloggern gefällt das: