Kannibalisiere dich selbst, bevor es jemand anderes tut

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Der Titel dieses Artikels ist ein Zitat von Steve Jobs. Einer der wirklich nachhaltig erfolgreichen Unternehmer der letzten Jahrzehnte. Eine seiner Stärken? Nicht auf Bewährtes setzen. Er hat Apple immer wieder neu erfunden, weitere Geschäftsbereiche erschlossen und bestehende revolutioniert.

Verschiedene Gespräche mit Schweizer Unternehmen haben mich zu diesem Artikel inspiriert. Alle hatten eins gemeinsam: Die Inhaber und Manager spüren, dass es in den nächsten Jahren einen radikalen Wechsel in ihrer Branche geben wird. Gesellschaftlicher Wandel, Online-Technologien, Social Media usw. sind die Treiber. Wo die Reise hingeht, ist meist nicht fassbar. Meine Gedanken sollen anregen, dass du mit deinem Geschäft nicht blind ins offene Messer rennst wie z.B. die Musikindustrie oder aktuell die Buchbranche.

Ein zentraler Fehler: „neue Kanäle“ mit altem füllen

Vor 15 Jahren war das World Wide Web – und nebenbei auch die dazugehörige Skepsis – en vogue. Unternehmen, die lediglich alte Muster auf den „neuen“ Kanal anwendeten, z.B. nur eine Website ins Netz stellten, konnten nur bedingt von den neuen Möglichkeiten profitieren. Nur wenige haben ihre Geschäftsmodelle angepasst oder erweitert und so die Vernetzung wirklich umfassend genutzt.

Die Gefahr: Bewährtes und Bequemes

Gerade wenn sich die Welt stark verändert, darf man als Unternehmen und Manager nicht auf Bewährtes setzen. Das hat in der Geschichte noch nie funktioniert. Bequemlichkeit ist gefährlich. Man verdient gutes Geld, die Apéros sind reichhaltig, der Branchenverband arbeitet hart daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist der Anfang vom Ende und eigentlich eine unternehmerische Totsünden. Dabei heisst doch Unternehmer sein: Hart arbeiten und die Komfortzone immer wieder verlassen. Das hat jeder, der ein Geschäft gegründet hat, schon einmal gemacht. Wieso nicht ein zweites Mal?

Mögliches Vorgehen

Wo geht die Reise hin? Zukunftforscher können uns ein paar Buzzwords an den Kopf werfen. Das hilft meist nicht wirklich weiter.

1. Wirklich Verstehen

Anstatt gleich draufloszuschiessen und anderen etwas nachzumachen, muss man sich und die Situation erst einmal verstehen. Drei zentrale Fragen sollte man beantworten:

  • Was sind unsere Stärken und Kompetenzen? Dabei auch an Methodisches, nicht nur Fachliches und Technisches denken: Eine Videoproduktionsfirma mag super Kameras, Kunden etc. haben und die tollsten Kinospots herstellen. Aber was nutzt dies, wenn die Konsumenten irgendwann nicht mehr ins Kino gehen? Mit Kompetenzen wie Storys audiovisuell erzählen, vierdimensional denken etc. kann man eine ganze Menge Anderes anstellen.
  • Was sind die Grundprinzipien der neuen Technologien? Nicht in Plattformen wie Facebook, Twitter, Websites und Youtube denken. Nicht alte Inhalte (z.B. den Kinospot) woanders veröffentlichen. Es muss verstanden werden, auf welchen Mechaniken die gerade angesagten Plattformen basieren und welche Verhaltensänderung sie bei den relevanten Zielgruppen – schlussendlich bei Konsumenten – auslösen und Bedürfnisse stillen. Eins darf man sich merken: Diese Änderungen können nicht rückgängig gemacht werden, verlaufen sich nicht im Sand und sind kein vorübergehender Hype.
  • Wo können diese Prinzipien unsere Prozesse vereinfachen, unser Angebot kannibalisieren? Oder konkreter formuliert: Wo werden wir in einigen Jahren massiv weniger verdienen, da alles einfacher wird? Nun kann man sich die Frage stellen: Sollen wir uns selbst kannibalisieren oder überlassen wir das anderen?

2. Formulieren

Natürlich kann man noch mehr analysieren, Heerscharen von Beratern engagieren und Strategien ausarbeiten. Bleiben wir pragmatisch und realistisch. Ich finde es besser eine Vision zu formulieren. Die Zukunft kann nicht vorausgesagt werden, aber wir können für unser Unternehmen eine Brille kreieren, durch die wir im Tagesgeschäft Opportunitäten finden, die uns zu Erreichung der Vision helfen. Und seien wir mal ehrlich: Nur mit genutzten Opportunitäten verdienen wir Geld und kommen vorwärts.

3. Anfangen & Optimierung

Besser als ein strategisches Korsett, finde ich es, basierend auf der Vision, konkrete Massnahmen zu ergreifen und permanent zu messen und zu optimieren. So kommt man rasch seinen Zielen näher. Diese dürfen wiederrum auf dem Weg der Umsetzung immer wieder wechseln.

Erfahrung kann zwar für die eigene Agilität gefährlich sein, dennoch muss man sie sammeln, um besser zu werden. Und wann hast du am meisten in deinem Leben gelernt? Genau, als Kind. Und wie hast du gelernt? Yep, trial and error. Rückschläge gehören dazu und gerade durch sie lernt man am meisten. Eine gesunde Fehlerkultur ist zentral für eine erfolgreiche Umsetzung, ja für ein erfolgreiches Unternehmen.

Die Umsetzung wird nicht einfach: Gegen interne Widerstände und Fürstentümer ankämpfen, ist das eine. Du wirst aber auch den einen oder anderen langjährigen Partner oder Lieferanten kannibalisieren müssen. Umgekehrt werden vielleicht alte Feinde, zu wichtigen Freunden. Schau der neuen Realität ins Auge und begleite diesen schwierigen Prozess ehrlich, konsequent, aber auch für alle verdaubar.

Viel Erfolg und besonders Spass!

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6 Gedanken zu “Kannibalisiere dich selbst, bevor es jemand anderes tut

  1. abendfarben sagt:

    Reblogged this on Agentur Abendfarben and commented:
    Regeln brechen und wirklich neue Wege gehen. Danke für den Artikel!

  2. Ich bin hin und her gerissen.
    Natürlich müssen Unternehmen flexibel bleiben, den Markt beobachten und ihren Kunden zuhören. Steve Jobs brannte für seine Idee, und das dürfte eines der Hauptgründe für seinen Erfolg sein. Dazu kommt, dass er erkannt hat, dass Technologie einfach sein muss, damit der Kunde sie annimmt. Und ein Gespür für wirklich geschmackvolles Design.

    Mag sein, dass die Märkte und Absatzkanäle sich grundlegend verändern, aber es gibt auch Dinge, die immer bleiben werden. Wenn Kunden etwas kaufen, wollen sie eine Empfehlung, sei es aus dem Freundeskreis oder über Internetbewertungsportale.

    Grundbedürfnisse bleiben, auch wenn die Form des Produktes sich verändert, Menschen werden immer Geschichten lesen und Musik hören wollen. Bedürfnisse lassen sich nicht substituieren. Da sollten wir dran bleiben.

    Ich freue mich, wenn alles einfacher, ehrlicher wird. Weil Gutes meist einfach ist.

    Begegnen wir unseren Kunden, Partnern und Lieferanten lieber auf Augenhöhe. Kannibalismus? Und dann? Nein, ich gehe einen anderen Weg.

    • Mike Schwede sagt:

      Ok. Wenn deine Lieferanten bald das gleiche anbieten wie du, dann solltest du vielleicht doch mal eine andere Strategie überlegen. Schlussendlich ist es ja immer volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn Zwischenschritte und -händler übersprungen werden.

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