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Überholt Google (plus) Facebook?

Platzhirsche

Letzten Freitagmorgen ist Google+ für einige Zeit ausgefallen und fast niemand hat es bemerkt. Das obwohl doch laut Google bereits mehr als 500 Millionen Menschen weltweit Google+ nutzen - oder sind es doch eigentlich nur 135 Millionen? Die PR-getriebene Zahlen-Jongliererei trägt leider nicht zur Glaubwürdigkeit des Megaprojekts bei. Das Google-User z.B. von Gmail automatisch zu einem Google+-Account gezwungen werden scheint zunächst auch nicht zielführend. Wichtiger als User ist doch das Engagement! Hier kann RJMetrics in einer Analyse von 40’000 Google+-Profilen kein gutes Zeugnis ausstellen. Das Engagement auf der Plattform ist im Gegensatz zu Facebook, Pinterest oder Twitter extrem tief:

  1. Im Schnitt erhält ein Post auf Google+ weniger als ein +1 und weniger als einen Reshare.
  2. Nur 30% der User, die einen öffentlichen Post gemacht haben, machen auch einen zweiten.
  3. Zwischen den öffentlichen Posts eines Users vergehen im Schnitt 12 Tage.
  4. Auch bei aktiven Usern nimmt die Anzahl öffentlicher Posts von Monat zu Monat stetig ab.

Obwohl ich das Design, die Usability und schlussendlich auch Google als Unternehmen gern habe, geht es mir nicht anders. Ich bin kaum aktiv: Neben Facebook, Twitter, Instagram und Whatsapp wird es zu viel. Das Google+ keine richtige API anbietet und keines meiner Tools (Buffer, Tweetdeck etc.) eine Google+-Anbindung unterstützt, ist dann das entgültige No-Go.

Hat Google das Social-Rennen gegen Facebook verloren?

Die Behauptung liegt bei diesen Zahlen nahe. Meine Antwort ist dennoch: Nein. Die Power von Google+ liegt nicht in der Plattform plus.google.com selbst, welche für lange Zeit keine Konkurrenz für Facebook sein wird, sondern in der Integration der Social-Funktionen in die bestehenden Services.

Userprofile
Gmail ist mit Recht eine der beliebtesten Mail-Plattformen und verfügt über 425 Millionen Nutzer. Aus Usersicht macht durchaus Sinn ein umfassenderes Google-Profil anzulegen und seinen Kontakten im Adressbuch zur Verfügung zu stellen. Schlussendlich ist E-Mail eines der ältesten Tools zur sozialen Interaktion im Internet.

Firmenprofile
Gerade lokal orientierte Firmen wie z.B. Restaurants, Shops oder Handwerksbetriebe müssen auf Google Maps und Google Places for Business auffindbar sein. Der Firmenauftritt ist kostenlos, geobasiert und wohl inzwischen mindestens so wichtig wie die Gelben Seiten. Die Integration von Userreviews bringt zudem erste Social-Media-Elemente in die Suchresultate auf Google. Durch die Übernahme von Wildfire wird die Veröffentlichung von Coupons und Wettbewerben über das Firmenprofil wohl so einfach werden, wie man sich das von Adwords gewöhnt ist. (Update: Google bietet Small Businesses nun kostenlos Website inkl. Hosting und CMS.)

Bewährte Google-Produkte 
Die Suche wurde bereits social und zeigt die +1 meiner Kontakte an. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf die Klickraten. Google Maps nutzt jeder, sei es auf dem Desktop oder Smartphone. Hier stolpert der User über die Firmenprofile, wird kommentieren und reviewen und sicher Promotionen der Unternehmen nutzen.

Content, Content, Content
Google hat schon längst eine starke Social-Plattform: Youtube ist gerade bei Jugendlichen als Social Network beliebt. Google hat hier unglaublich viel und guten Content und müsste nur noch den Newsstream und die Chat-Experience verbessern. Der viel gelobte „Second Screen“ wird obsolet werden.

Was wird neben Videos sonst noch gerne auf Facebook geteilt? Fotos, Musik und Newsberichte. Mit Google News, Google Currents und Google Music hat das Unternehmen auch hier eine gute Ausgangslage. Für Nerds steht mit Google Groups das Urgestein von Social Media bereit: Foren. Irgendwann wird Google+ wohl auch Blogger gänzlich ablösen.

Google kennt uns besser als Facebook
Google kennt unsere Interessen, unser Verhalten und unseren Standort aufgrund der (mobilen) Suche oder Apps wie Google Now. Mit Projekten wie Google Schemer sucht Google nach Möglichkeiten uns noch besser kennen zu lernen und den Opt-in für Marketingaktionen von uns zu erhalten. Google hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Facebook: Google kennt unsere Interessen besser (Interest-based Targeting) als Facebook (Social-based Targeting). Wir alle wissen: das Interessens-Targeting auf Facebook gibt nicht viel her und hat eine tiefe Reichweite. Inhalte und Werbung sind bei Google relevanter und geniessen eine höhere Akzeptanz bei Usern wie werbetreibende Unternehmen. Schafft Google den Sprung ins Social-Networking, wird die Werbung eine runde Sache: denn wenn relevanten Informationen auf Freundesinformationen treffen, steigen Glaubwürdigkeit und Konversion massiv.

Social Business 
Neben Gmail, Calendar und Google Docs sind bei Unternehmen die Google Apps für Business sehr beliebt.  Zusammen mit den Google+ Hangouts und internen Firmen- und Abteilungs-Circles auf Google+ ist dieses Paket leistungsstärker als vergleichbare Lösungen von Social Enterprise Anbietern wie z.B. Yammer.

Ready for Social Commerce
Im Gegensatz zu Facebook kennt Google viele Kreditkarten der User aufgrund von Android Play Stores und Google Checkout. Google Wallet wird dann die Verbindung zu den oben erwähnten Marketing-Möglichkeiten für Local Business machen.

Google ist nicht nur virtuell
IOT, das Internet of Things wird immer wichtiger und wird unser Leben nachhaltig revolutionieren. Auch hier ist Google im Gegensatz zu Facebook schon im richtigen, physischen Leben angekommen: Ein eigenes Smartphone, Googel TV, androidbasierte Auto-Entertainmentsysteme oder die Google Glasses verbinden die reale und die virtuelle Welt zur Augmented Reality.

Was fehlt noch?

  1. Obwohl ich schon Jahre Google Talk nutze, fehlt ein richtiger Messenger auf meinem Android und Laptop, der das Leben wirklich einfacher macht. Im Gegensatz zu Apple hat Google es noch nicht geschaft Google Talk und SMS in einer App zu verbinden.
  2. Spielerische Gamification-Elemente und nützliche Geoservices à la Foursquare.
  3. Eine API für Entwickler, um die Social Funktionen in die eigenen Apps und Websites zu integrieren oder die Plus-Auftritte zu managen.

Google steht noch am Anfang

Social Media ist Content, Dialog und Identität. Um diese Bereiche abzudecken, ist Google eigentlich schon extrem gut aufgestellt. Mit Google Plus konnte das Unternehmen das Social Prinzip ausprobieren und wird nun seine Services verbinden und ausbauen (die AGB aller Google Services wurden ja bereits angeglichen).

Aktuell ist aus Usersicht plus.google.com keine Alternative zu Facebook. Mittelfristig wird Google aber Facebook abhängen. Social wird wohl als Plattform im Sinne eines Social Network Services wie Facebook an Bedeutung verlieren. Social als Feauture und Prinzip integriert in bestehende beliebte Services wie Search, Youtube, Maps oder Gmail wird hingegen immer wichtiger.

Eventuell wird sich aber auch das kommerzielle, soziale Leben eher auf Google, das private, persönliche Leben inklusive Entertainment (Games, Spotify, Netflix etc.) auf Facebook weiterhin abspielen. Oder wird uns die Übermacht von Google langsam ungemütlich? Dann werden Dritte, kleinere und „liebere“ Unternehmen in Nischenanwendungen das Rennen machen  (the rise of interest based social networks)… bevor sie dann von einem grossen Player aufgekauft werden. Glücklicherweise halte ich schon sehr lange Google-Aktien und keine von Facebook. Und dies wird auch so bleiben.

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Interview: Social Media Herausforderungen bei multinationalen Unternehmen

Sandra Paradiso, Verantwortliche PR & Kommunikation bei DACHSER Schweiz, hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit (Gratulation zur Note 5.5 !!!) über die “Herausforderungen bei der Einführung von Social Media Aktivitäten bei multinationalen Unternehmen” ein Interview mit mir geführt. Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Welches sind die Herausforderungen bei der Einführung von Social Media Aktivitäten in einem international tätigen Unternehmen?

Mike Schwede: Die Akzeptanz in den Märkten muss vorhanden sein. Die Leute zu involvieren ist sehr wichtig, denn die klassische Denkweise in Profitcentern oder Ländern fällt im Social Media Bereich gänzlich weg. Die Gesamtsicht, sprich den Dialog mit Kunden, Mitarbeitern und Medien nimmt den Platz ein, unabhängig der Grenzen. Dafür braucht es Qualitätsstandards. Diese definieren zum einen zentrale Dienstleistungen des Konzerns wie das Monitoring für alle Länder, den formalen Social Media Auftritt sowie Reporting-Tools. Dezentrale Leistungserbringung der einzelnen Ländern wie den Contentplan oder Massnahmen, die in weiteren Ländern umgesetzt werden können, sind ebenfalls darin definiert.

Worauf muss man besonders achten?

Mike Schwede: Sprachräume rücken in den Vordergrund, Märkte und Länder haben automatisch zweite Priorität. Das heisst, Märkte oder Länder müssen im Interesse der Gesamtsicht (inter)agieren, weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus.

Welches sind die Stolpersteine?

Mike Schwede: Es ist wie bei vielem eine Chefsache! Das Management muss einem solchen Projekt die Top-Priorität zusprechen, indem es die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellt. Es geht um eine Investition in den Dialog mit Kunden, Mitarbeitern und breiter Öffentlichkeit. Wenn die bestehenden bestehenden Ressourcen nur mit zusätzlichen Aufgaben konfrontiert werden, wird auch garantiert keine Begeisterung dafür aufkommen.

Wie können die Länder voneinander profitieren?

Mike Schwede: Eine Möglichkeit sind interne Social Media Plattformen wie Chatter oder Yammer zu eröffnen, wo sich alle involvierten und interessierten Personen austauschen können. Das bietet eine gute Möglichkeit, um geplante und durchgeführte Massnahmen zu diskutieren, Erfahrungswerte und Success Stories aufzuzeigen, aber vor allem auch auf Misserfolge hinzuweisen ohne das Gefühl zu haben, verurteilt zu werden. Denn nur bekannte Fehler können nicht wiederholt werden.

Ist es sinnvoll in verschiedenen Ländern auf unterschiedlichen Plattformen präsent zu sein oder sollen alle gleich auftreten?

Mike Schwede: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in etablierten oder ähnlich „tickenden“ Ländern durchaus gewisse Must-Plattformen vorgeben kann. Gewisse Länder sind so unterschiedlich voneinander, dass nur eine auf den Markt zugeschnittene Präsenz sinnvoll ist.

Bei Youtube ist die Sprache entscheidend. Flickr kann ohne weiteres länderübergreifend eingesetzt werden. Facebook und Twitter sind wiederum regionale Kommunikationsplattformen, da der Content wirklich den Dialog fördern soll und dies nur möglich ist, wenn es auf das „Vis-à-vis“ zugeschnitten ist. Twitter kann sogar pro Land mehrere Accounts haben ohne durch dieses „Aufsplitten an Dialogkraft“ einzubüssen. Ein Corporate Blog macht nach Sprachregionen Sinn, zum Beispiel der Zusammenzug der DACH-Länder in einem Blog, aber mit der Freiheit der einzelnen Länder die eigenen lokalen Beiträge zu posten. Blog, Youtube und Flickr eignen sich als Informations- bzw. Dokumentenablage, Twitter und Facebook sind aktive Kommunikationskanäle.

Und noch etwas: Wenn in den Ländern oder Märkten lokale Kommunikations- und Vertriebsaktivitäten umgesetzt werden, dann müssen auch konsequenterweise die Social Media Aktivitäten lokal adaptiert sein und können nicht plötzlich zentral geführt werden.

Wie können sich ein Corporate Account und ein lokaler Account in derselben Sprache sinnvoll ergänzen, so dass sie a) nicht dasselbe posten und b) ganz klar voneinander unterscheidbar sind?

Mike Schwede: Die erfolgreiche Unterscheidung liegt in einer stringenten Namensgebung der verschiedenen Accounts. Der User ist nicht verwirrt, wenn er in einer Sprache mehrere Accounts vorfindet, sondern nur wenn er nicht weiss, mit wem er jetzt kommunziert.

Inhaltlich dasselbe zu posten wäre sowieso nicht der Fall, da man idealerweise den lokalen oder sogar persönlichen Bezug schafft. Aber eine Corporate Meldung zu retweeten oder zu teilen hat durchaus seine Berechtigung.

Ist es sinnvoller nur einen Account in der Konzernsprache zu haben und einen lokalen Länder-Ansprechpartner im Social Media Team zu benennen, der lokale Fragen beantwortet bzw. Informationen postet?

Mike Schwede: Nein, meine langjährige Erfahrung in der Umsetzung von Social Media Aktivitäten bestätigt immer wieder den Erfolg der lokalen Umsetzung. Social Media kann man nicht reaktionär eingehen. Es ist ineffizient, denn man muss sich zuerst eindenken, wenn zum Beispiel der Konzern etwas postet und die Fragen dann lokal von einer anderen Person beantwortet werden sollen. Wer einen erfolgreichen Dialog führen will, muss die Diskussion durch einen Blogbeitrag oder Tweet oder Post anreissen und den Dialog bis zum Schluss führen. Also Fragen beantworten und gegebenenfalls eine spezifische Anfrage an die Fachabteilungen übergeben.

Wäre jedenfalls schlanker und ressourcensparender und würde die News-Frequenz erhöhen? Oder will jedes Land lokal angesprochen werden?

Im ersten Moment scheint ein zentraler Account effizient zu sein, aber jede zentralistisch geführte Aktivität erfordert viel Abstimmungsaufwand. Das ist nicht nur bei der Einführung von Social Media so.

Ja, diese Frage habe ich schon so oft gehört und sie entsteht nur aus Angst, zu wenig News zu haben. Sobald man in Themen und Communities denkt und sich von der internen Betriebssicht lösen kann, ist das Gegenteil der Fall.

Wie sieht die Rollenverteilung aus zwischen Konzern und Ländern?

Mike Schwede: Wie gesagt, müssen vom Konzern Qualitätstandards definiert werden. Nebst dem formalen CI/CD-gerechten Auftritt sollen die Erwartungen an den Content und das Verhalten der involvierten Personen klar formuliert werden. Die Umsetzung muss aber dezentral erfolgen, idealerweise mit einem Quartalsreporting, der vor allem viel Austausch und Erkenntnisse für die weiteren Aktivitäten bringt. Zusätzlich sollte man Incentives für die Zusammenarbeit einführen und fördern. Denn Social Media kennt keine Landes- oder Abteilungsgrenzen und die gegenseitige Unterstützung ist unumgänglich.

Wie kann man einen „Web 1.0“-Freigabeprozess für Social Media beschleunigen? Was muss sich aus Konzernsicht ändern, was aus Ländersicht?

Mike Schwede: Den klassischen Freigabeprozess aus der Offline-Welt kann man nicht für die Web 2.0-Strategie einsetzen. Web 2.0 heisst grundsätzlich Verantwortung und Kompetenzen übergeben und Vertrauen schenken. Um Web 2.0-Strategien aber nach wie vor im Sinne der Konzernstrategie umzusetzen, ist die gemeinsame planerische Tätigkeit zwischen Konzern- und Länder-Kommunikatoren entscheidend. Diese Tätigkeit umfasst die Definition der Social Media Plattformen, den Contentplan und zwar detailliert bis auf die einzelnen Blogbeiträge, Posts und Tweets heruntergebrochen sowie das Reporting. So haben Konzern- wie Länderverantwortliche während der definierten Zeit die Sicherheit, das Richtige zu tun. Ausnahmen können Krisensituationen sein, wo während der kritischen Phase sinnvollerweise nur der Konzern nach aussen kommuniziert.

Kannst du mir zum Schluss erfolgreiche Beispiele nennen?

Mike Schwede: Bernina, Nivea, Krones AG und IBM kommen mir da spontan in den Sinn. Diese haben es verstanden, Social Media Aktivitäten erfolgreich international einzuführen. Jeder mit einem anderen Schwerpunkt, zum Beispiel Kundenkommunikation bei Bernina und Nivea, Employer Branding bei Krones AG, weltweite Mitarbeiter-Kollaborations- und Innovationsplattformen bei IBM. Aber alle mit der gleichen Strategie; Einbindung aller involvierten Personen mit entsprechender Übergabe von Verantwortung und Kompetenzen für die vertrauensvolle dezentrale Umsetzung.

Mike, herzlichen Dank für das Interview.

Interview geführt von Sandra Paradiso, Zürich, 5. Juni 2012

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Social Media 4×4 Scorecard – beta

Was soll gemessen werden? Wie kann man die Kennzahlen ins Unternehmensreporting einfliessen lassen? Was gilt denn branchenübergreifend und was wären Benchmarks? Das haben sich Patrick Moeschler, Social Media Guru bei Swisscom, Sandra Stirnemann, Social Media Queen bei Ovomaltine und ich in der Social Media Taskforce der IAB gefragt.

Wir haben übersichtlich 4×4 Kennzahlen zusammengetragen, die unserer Meinung nach gemessen werden sollten. Je nach Branche und Strategie gibt es andere Prioritäten, aber diese Kennzahlen können und sollen branchenübergreifend angewendet werden. Man darf diese Scorecard also gerne mit zusätzlichen Kennzahlen erweitern. Aber folgt der Maxime: Reduce to the max!

Social Media Scorecard 4x4 - beta

Ein paar Erklärungen

Hier möchten wir aufzeigen WAS gemessen werden soll, in einem zweiten Beitrag erklären wir dann das WIE.

Wir schauen Social Media als Ganzes an. Die vier aufgeführten Unternehmensbereiche Kommunikation & Branding, Service & Innovation, Vertrieb und Organisation sind wesentlich. Natürlich ist je nach Strategie und Branche das eine oder andere weniger wichtig.

Reach: Einige werden sich fragen, wieso wir nicht die Anzahl Fans und Follower tracken. Wir finden sie in einer viralen Umgebung schlicht nicht relevant. Man kann durchaus wenig Follower oder Fans haben. Sind diese aber engagiert, einflussreich und haben eine hohe Followerzahl, generiert man mit ihnen eine bessere Reichweite als bei retweetmüden Usern mit kleiner eigener Reichweite. Durch die Reichweitenmessung wird Social Media auch besser mit anderen Medien vergleichbar.

Sentiment: Dass fast alle Monitoring-Tools sehr lausige Resultate bei der Sentimentanalyse liefern, ist ein offenes „Geheimnis“. Deshalb empfehlen wir eine manuelle Analyse der Owned Media. Diese ist bei kleineren Communities noch manuell machbar, bei grösseren, die mit Social Media Management Tools verwaltet werden, durch entsprechendes Tagging handelbar.

Position: Positioniert sich euer Unternehmen z.B. über Preis, Nachhaltigkeit und Service, kann das Gesprächsvolumen über diese Themen in Earned Media gemessen und hier der Share of Voice in Bezug auf die Mitbewerber bestimmt werden.

Was sind die Next Steps?

Natürlich sind eure Inputs – keine Grundsatzdiskussionen zum ROI oder zur Messbarkeit ;-) – willkommen. Vielleicht habt ihr noch gute Ideen. Maxime ist: Welche 16 Kennzahlen sind die wichtigsten und welche sind bereits in diesen subsummiert.

1. Quellen: Wir stellen zusammen mit welchen Tools und Methoden die Kennzahlen gemessen und berechnet werden können.

2. Benchmark-Tool: Wir entwickeln nun ein Onlinetool indem man – auf Einladung – anonym seine Kennzahlen branchenorientiert regelmässig erfassen kann. So haben alle was davon und können sich mit dem Benchmark und Durchschnitt vergleichen.

Schreibt euch hier ein, wenn ihr eine Einladung zum Benchmarking-Tool erhalten möchtet.

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Tschüss Werbung: Was Marken in Zukunft tun sollten

Von der Reichweite von Facebook können die meisten (Medienhäuser) nur träumen. Insbesondere, wenn man die Nutzungsdauer analysiert. Ben Elowitz von Wetpaint hat dies auf Basis von ComScore Zahlen gemacht. Facebook ist ein Web-Killer:

Geringes Interesse an der Interaktion mit Firmen

Facebook ist ein Eldorado für werbetreibende Unternehmen? Laut einer IBM-Studie sind 70% der User auf der Plattform, um sich mit Freunden auszutauschen. Weniger als ein Viertel möchte mit Brands interagieren. Bei US-Teens sieht es noch schlimmer aus. 75% sind online und grösstenteils auf Facebook vertreten, aber nur 6% sind an einer Interaktion mit Marken interessiert.

User wollen von Brands: Eher Vorteile statt Community

Der Perception Gap bei der IBM Studie ist ernüchternd. Nicht das Community-Feeling mit der Marke steht im Vordergrund. Von dem Viertel, dass mit Unternehmen auf Facebook interagiert, sind die meisten an Preisvorteilen interessiert.

Natürlich ist es je nach Unternehmen unterschiedlich und es gibt durchaus “Love Brands”, die auf eine starke Community zählen können resp. ihr Community-Management vorbildlich betreiben.

Nicht Facebook ist das Problem, sondern die Unternehmen selbst

Von 48 getesteten, deutschen Unternehmen reagieren gerade mal 21 auf Kundenanfragen. Nur vier davon haben mehr als 25% der Anfragen beantwortet. Die Unternehmen haben Social Media nicht verstanden. In der Schweiz sieht es schon besser aus.

Ich habe drei verschiedene Fragen gestellt und die Antwortzeiten gemessen (wenn ich sie abends gestellt hatte, erst ab 8 Uhr am Folgetag). Die Response Rate ist die Anteil vom Seitenbetreiber kommentierter Kundenposts der letzten 30 Tage. Diese wurde freundlicherweise von Socialbakers geliefert.

Ein ernsthafter Dialog lohnt sich, wie die Social Media Consumer Survey zeigt:
Kunden, die mit Firmen auf Social Networks im Kontakt stehen, geben bis zu 40 % mehr aus. Sogar Kunden die negative Interaktionen auf Facebook mit den Firmen hatten, geben immerhin 20% mehr aus, als der Durschschnittskunde ohne soziale Interkationen.

Wo liegt nun das Problem?

Die Jugendlichen aus der US-Studie liefern die Antwort gleich mit, was Marken zu tun haben: 28% erwarten von ihnen, dass sie auf Social Networks zuhören und reagieren, wenn sie Fragen haben. Monitoring und Zuhören ist also ein zentraler Schlüssel für ein erfolgreiche Social Media Interaktion.

Aber es geht noch weiter: Kunden anpeilen und mehr oder weniger gezielt mit Werbung zu „erlegen“ funktioniert nicht mehr. Ein umfassendes Inbound-Marketing muss angestrebt werden: Mit Dialog, Entertainment und nutzbringenden Informationen Aufmerksamkeit generieren. Die Kunden kommen von alleine, wenn sie etwas von der Marke wollen. So gibt man laut Voltier Digital 62% weniger Geld aus.

Mit diesem Marketing-Ansatz müssten werbetreibende Unternehmen, aber auch Plattformen wie Facebook, nicht mehr das Verhalten oder die Interessen der Konsumenten ausspionieren, um dann mehr oder weniger relevante, ungefragte Werbung zu platzieren.

Ich bin überzeugt: Eine neue Ära im Marketing bricht an.

Basierend auf dem Prinzip: Die Leute werden’s sagen, wenn sie etwas brauchen. Dann muss das Unternehmen aber bereit stehen und den Kunden perfekt bedienen. Hoffen wir auf viele neue spannenden Plattformen und Startups, die dieses Prinzip unterstützen und die Privatsphäre der User respektieren.

Mit cooala wage ich hierzu einen Anfang. Meldet euch für den Beta-Test an und folgt uns auf Facebook oder Twitter.

PS. Und noch für alle differenzierten Denker: Ja. Auch in Zukunft wird die Werbung ihren Platz im Marketing haben. Aber so eine Denke hemmt uns, weiter zu denken. Werbung wird (weiter) an Bedeutung verlieren.

Eine passende Präsi zum Thema:

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Kannibalisiere dich selbst, bevor es jemand anderes tut

Foto by http://www.flickr.com/photos/mikelove

Der Titel dieses Artikels ist ein Zitat von Steve Jobs. Einer der wirklich nachhaltig erfolgreichen Unternehmer der letzten Jahrzehnte. Eine seiner Stärken? Nicht auf Bewährtes setzen. Er hat Apple immer wieder neu erfunden, weitere Geschäftsbereiche erschlossen und bestehende revolutioniert.

Verschiedene Gespräche mit Schweizer Unternehmen haben mich zu diesem Artikel inspiriert. Alle hatten eins gemeinsam: Die Inhaber und Manager spüren, dass es in den nächsten Jahren einen radikalen Wechsel in ihrer Branche geben wird. Gesellschaftlicher Wandel, Online-Technologien, Social Media usw. sind die Treiber. Wo die Reise hingeht, ist meist nicht fassbar. Meine Gedanken sollen anregen, dass du mit deinem Geschäft nicht blind ins offene Messer rennst wie z.B. die Musikindustrie oder aktuell die Buchbranche.

Ein zentraler Fehler: „neue Kanäle“ mit altem füllen

Vor 15 Jahren war das World Wide Web – und nebenbei auch die dazugehörige Skepsis – en vogue. Unternehmen, die lediglich alte Muster auf den „neuen“ Kanal anwendeten, z.B. nur eine Website ins Netz stellten, konnten nur bedingt von den neuen Möglichkeiten profitieren. Nur wenige haben ihre Geschäftsmodelle angepasst oder erweitert und so die Vernetzung wirklich umfassend genutzt.

Die Gefahr: Bewährtes und Bequemes

Gerade wenn sich die Welt stark verändert, darf man als Unternehmen und Manager nicht auf Bewährtes setzen. Das hat in der Geschichte noch nie funktioniert. Bequemlichkeit ist gefährlich. Man verdient gutes Geld, die Apéros sind reichhaltig, der Branchenverband arbeitet hart daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist der Anfang vom Ende und eigentlich eine unternehmerische Totsünden. Dabei heisst doch Unternehmer sein: Hart arbeiten und die Komfortzone immer wieder verlassen. Das hat jeder, der ein Geschäft gegründet hat, schon einmal gemacht. Wieso nicht ein zweites Mal?

Mögliches Vorgehen

Wo geht die Reise hin? Zukunftforscher können uns ein paar Buzzwords an den Kopf werfen. Das hilft meist nicht wirklich weiter.

1. Wirklich Verstehen

Anstatt gleich draufloszuschiessen und anderen etwas nachzumachen, muss man sich und die Situation erst einmal verstehen. Drei zentrale Fragen sollte man beantworten:

  • Was sind unsere Stärken und Kompetenzen? Dabei auch an Methodisches, nicht nur Fachliches und Technisches denken: Eine Videoproduktionsfirma mag super Kameras, Kunden etc. haben und die tollsten Kinospots herstellen. Aber was nutzt dies, wenn die Konsumenten irgendwann nicht mehr ins Kino gehen? Mit Kompetenzen wie Storys audiovisuell erzählen, vierdimensional denken etc. kann man eine ganze Menge Anderes anstellen.
  • Was sind die Grundprinzipien der neuen Technologien? Nicht in Plattformen wie Facebook, Twitter, Websites und Youtube denken. Nicht alte Inhalte (z.B. den Kinospot) woanders veröffentlichen. Es muss verstanden werden, auf welchen Mechaniken die gerade angesagten Plattformen basieren und welche Verhaltensänderung sie bei den relevanten Zielgruppen – schlussendlich bei Konsumenten – auslösen und Bedürfnisse stillen. Eins darf man sich merken: Diese Änderungen können nicht rückgängig gemacht werden, verlaufen sich nicht im Sand und sind kein vorübergehender Hype.
  • Wo können diese Prinzipien unsere Prozesse vereinfachen, unser Angebot kannibalisieren? Oder konkreter formuliert: Wo werden wir in einigen Jahren massiv weniger verdienen, da alles einfacher wird? Nun kann man sich die Frage stellen: Sollen wir uns selbst kannibalisieren oder überlassen wir das anderen?

2. Formulieren

Natürlich kann man noch mehr analysieren, Heerscharen von Beratern engagieren und Strategien ausarbeiten. Bleiben wir pragmatisch und realistisch. Ich finde es besser eine Vision zu formulieren. Die Zukunft kann nicht vorausgesagt werden, aber wir können für unser Unternehmen eine Brille kreieren, durch die wir im Tagesgeschäft Opportunitäten finden, die uns zu Erreichung der Vision helfen. Und seien wir mal ehrlich: Nur mit genutzten Opportunitäten verdienen wir Geld und kommen vorwärts.

3. Anfangen & Optimierung

Besser als ein strategisches Korsett, finde ich es, basierend auf der Vision, konkrete Massnahmen zu ergreifen und permanent zu messen und zu optimieren. So kommt man rasch seinen Zielen näher. Diese dürfen wiederrum auf dem Weg der Umsetzung immer wieder wechseln.

Erfahrung kann zwar für die eigene Agilität gefährlich sein, dennoch muss man sie sammeln, um besser zu werden. Und wann hast du am meisten in deinem Leben gelernt? Genau, als Kind. Und wie hast du gelernt? Yep, trial and error. Rückschläge gehören dazu und gerade durch sie lernt man am meisten. Eine gesunde Fehlerkultur ist zentral für eine erfolgreiche Umsetzung, ja für ein erfolgreiches Unternehmen.

Die Umsetzung wird nicht einfach: Gegen interne Widerstände und Fürstentümer ankämpfen, ist das eine. Du wirst aber auch den einen oder anderen langjährigen Partner oder Lieferanten kannibalisieren müssen. Umgekehrt werden vielleicht alte Feinde, zu wichtigen Freunden. Schau der neuen Realität ins Auge und begleite diesen schwierigen Prozess ehrlich, konsequent, aber auch für alle verdaubar.

Viel Erfolg und besonders Spass!

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