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Wie bereits erwähnt, bin ich der festen Überzeugung, dass der Nutzen von Social Media nicht alleine in Geld oder Kennzahlen ausgedrückt werden kann. Das kann eigentlich selten eine unternehmerische Massnahme oder Instrument vorweisen: Was ist der ROI der Telefone? ROI von E-Mail? ROI eines Sponsoring Engagements?
Gleichzeitig gibt es viele eingespielte Massnahmen, deren ROI selten hinterfragt wird, wie z.B. Printwerbung, oder der Nutzen bestimmter Massnahmen wird leider selten berechnet: die Branding-Wirkung und die Loyalitätssteigerung eines Call-Centergesprächs. Würde dies gemacht, dann würde es wohl mehr Firmen wie Zappos geben, die traumhafte Umsatzsteigerungen durch einen Kundendienstfokus und konsequenter Werbeadoleszenz vorweisen könnten.
Dennoch finde ich die kreative Annäherung auf einzelne Kennzahlen wichtig. Man bekommt ein gutes Feedback und eine fundierte Teilmeinung, die man immer differenziert anschauen muss. Und sind wir mal ehrlich: Die meisten Firmen funktionieren so, dass ihr euer Social Media Budget nur steigern könnt, wenn ihr den ROI zumindest teilweise belegen könnt. Gerade in Krisenzeiten, in denen der Rotstift eh schon locker sitzt.
Wenn immer noch rund 20% der Schweizer Unternehmen auf Web Analytics verzichten (geschweige ein ROI-Reporting aufgesetzt haben), ist die ROI-Frage bei Social Media wohl eher eine Ausrede. Das können wir aber durch ein ROI-Reporting ändern.
Ohne Ziele keine ROI
Die wichtigste Vorraussetzung ist natürlich, dass ihr euch Ziele in der Strategie gesetzt habt. Klingt trivial, wird aber häufig nicht oder halbherzig gemacht. Trotz Social Media ist die eigene Website trotz abnehmender Bedeutung weiterhin noch zentral. Insbesondere, wenn man im E-Commerce tätig ist. Euer Online-Verantwortlicher kann die Ziele eurer Website nicht klar wiedergeben? Hausaufgaben machen! Zudem muss Ansatzweise der Business-Impact eurer Website messbar vorliegen.
Beispiel: Umsatzzahlen bei einem Onlineshop
Ob Online-Weinshop oder Reiseanbieter. Sie wissen genau wie viel Umsatz, welcher Kunden wie generiert hat. Bereits das kostenlose Google Anaytics kann entsprechende Kennzahlen tracken.

Brieft euren Onlinemarketeer. Durch die Anreicherung eurer Links die ihr in Facebook-Posts, auf Facebook-Tabs oder Tweets verwendet könnt ihr anschliessend sehr einfach die Performance analysieren. Hier ein Beispiel:
- Welche Social Media Plattform hat welchen Umsatz generiert? Benötigte Google Variable utm_source.
- Welche Produkte wurden am meisten durch das Facebook-Tab “Silversterspecial” verkauft? Benötigt Google Variable utm_medium
- Welche Posts, als Teil der Winterkampagne, haben wie viel Neukunden generiert? Benötigte Google Variable utm_campaign
Beispiel: Kundenkontakte, Leads
Klar. Onlineshops haben eine einfache ROI-Rechnung. Was macht aber ein Beratungsunternehmen, Autohändler, Fitnessstudios – einfach alles mit direktem Vertrieb oder die HR-Abteilung, die das Recruiting per Social Media pushen möchte? Sauberes Tracking der Leads!

Den Prozess kennen wir: Durch Werbung möchten wir Besucher auf die Website bringen. Anschliessend füllen diese z.B. ein Formular (Prospektbestellung, Probefahrt, Probetraining im Studio) aus. Ein Lead wurde generiert. Vielleicht macht das Unternehmen es den Kunden mit einem “Rückruf-Formular” einfach und koordiniert dann den Vorort-Termin. Nach einem Probetraining, Probefahrt oder Beratungsgespräch wird dann ein Teil der Besucher Kunde.
Folgende zwei Fragen kannst du (oder ein Vertriebsmensch, Controller) sicher beantworten:
- Wie viel Umsatz mache ich mit einem Kunden? Nehmen wir z.B. 3000 CHF
- Wie viele (Website-)Leads werden zu Kunden? z.B. 1/3
Sprich jedes ausgefüllte Formular auf der Website generiert potenziell 1000 CHF. Der Wert eines Leads ist somit definiert. Und wie viele Leads du durch den letzten Facebook-Post generiert hast, kannst du auch mittels Webanalytics beantworten. Na dann los ins ROI-Abenteuer!
Trackt ihr konsequent die Herkunft eurer Leads durch den ganzen Verkaufsprozess und die Kosten eurer Marketingmassnahmen? Dann kann auch folgende, essentielle Frage beantwortet werden:
Welche Kosten-pro-Lead habe ich bei Suchmaschinenmarketing, bei Facebook oder bei einer Printanzeige?
Wenn ihr die Mühe nicht scheut, könnt ihr in eurem Facebookreport nicht nur die Feedbackrate je Post, sondern auch den generierten Umsatz je Post tracken.
Für alle andere
Vielleicht und höchstwahrscheinlich ist es bei euch etwas komplexer und der direkten Nutzen und Wert nicht definierbar:
- Was ist ein Besucher auf dem Blog wert?
- Wie viel 1000 Markennennungen auf Twitter oder in Blogs?
- Wie viel Wert generiere ich, wenn ich auf Facebook aus einem verärgerten Kunden einen zufriedenen mache?
Manchmal ist der Eigenwert schwer bestimmbar. Dann nehmen wir die Opportunitätskosten. Also Kosten, die entstanden wären, hätte man es klassisch (mit ähnlichem Nutzen) gemacht:

Wert von Facebook-Impressions
Wenn ich einen Markenname mit Botschaft in meinem Facebook-Newsstream lese, ist dies ein hoch-engagender Markenkontakt: kein bis wenig Streuverlust (ich hatte ja mal “I Like” geklickt oder ein Freund hat dies gemacht). Zudem ist die Glaubwürdigkeit bei Social Media (Empfehlungen durch Bekannte) um einiges höher als bei klassischer Werbung. Der Wert einer Markennennung auf Facebook kann man daher mindestens mit dem Wert einer hochwertigen Branding-Anzeige auf einem seriösen Portal mit Zielgruppentargeting vergleichen auf CPM-Basis (schön wäre es, wenn dies durch eine Studie untermauert werden könnte).
Wert eines Besuchs auf dem Firmenblog
Was sind die Kosten für eine Platzierung des Blogbeitrags als Advertorial in einem Print-Fachmagazin? Da in der Fachwelt häufig ein gedruckter Beitrag in einem bekannten Magazin zusätzliche Glaubwürdigkeit bringt, ist der View einer Printplatzierung vielleicht etwas mehr Wert als der auf einem Blog. Nicht jeder Abonnent des Fachmagazins wird aber den Fachartikel lesen und gekaufte Artikel sind weniger Glaubwürdig als redaktionelle Beiträge der Redaktion. Ich persönlich finde daher den Wert vergleichbar. Ein guter Blogbeitrag ist gleichzeitig eine SEO-zentrifuge. Was hätte also gekaufter SEA-Traffic (Google Adwords) auf eure Website zum Thema eures Blogbeitrags gekostet? Auch diese Kosten hat man sich gespart und kann als Wert des Blogbeitrags angesehen werden.
Ich habe mal ein paar Ansätze zusammengefasst:

(1) Annahme, dass rund 80% der abgewanderten Kunden aufgrund des schlechtem Service abwandern
Forschungsgegenstand Social Media ROI
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Wert einer Social Media Massnahme mit Opportunitätskosten hinterlegt werden kann. Bei der Vergleichbarkeit des Nutzen kann gestritten werden. Der Vergleich muss für euch in der Marketingabteilung stimmen und sollte immer wieder hinterfragt werden. Hier kommt mein Hauptanliegen zum Vorschein, wohin die Diskussion und auch der Forschungsschwerpunkt von FHs und Unis in Bezug auf Social Media ROI gehen sollte: Representative Studien über den Nutzenvergleich von Social Media Massnahmen mit klassischen. Wären hier mehr Grundlagen vorhanden, könnte man den ROI bessern berechnen. Also los liebe Master-Studenten!!
Ich hoffe, meine Artikel hat ein paar Inputs geliefert. Danke für eure Inputs und Ideen!
Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Social Media Analytics“.
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