Jetzt geht’s wieder los mit der Flut von “Top-Trends 2012″-Artikeln. Und auch ich habe bereits meine vier Toptrends zusammengefasst. Die grosse Herausforderung dabei ist sicherlich, die fürs eigene Unternehmen relevanten Trends zu erkennen und zu nutzen. Meiner Ansicht nach solltet ihr die folgenden Massnahmen 2012 unbedingt in Angriff nehmen.
1. Mobile first.
Es geht nicht mehr lange (vielleicht noch zwei-drei Jahre) und die Zugriffe auf eure Firmenwebsite werden hauptsächlich von mobilen Geräten aus erfolgen. Wenn ihr also nächstes Jahr ein Redesign plant, solltet ihr sicherstellen, dass die Seite mobilfähig ist. Überlegt euch zuerst, welche Inhalte in welcher Form in mobilen Nutzungsszenarien wichtig sind. Versucht’s doch mal anders rum: Sobald das Navigations- und Inhaltskonzept für die mobile Seite hieb- und stichfest ist, könnt ihr davon die Desktop-Version ableiten.
Wenn für bestimmte Nutzungsszenarien eine mobile App sinnvoll ist, dann muss diese auch für Android-Phones umgesetzt werden (egal wie sehr die Programmierer über den zusätzlichen Aufwand stöhnen). Weltweit hat Android die iPhones längst überholt (52.3% vs. 15% Marktanteil) und selbst im iPhone-Land Schweiz wird dies in nächster Zeit passieren.
Denkt bei der Entwicklung einer App-Strategie nicht nur an eure Kunden, sondern auch an die Mitarbeiter. Ob im Aussendienst oder auch im Büro: Enterprise Mobile Apps können die Produktivität massiv steigern.
2. Macht Social zum universellen Prinzip.
Die Konzentration auf wichtige, relevante Plattformen unterstützt den Aufbau von Erfahrung und Erfolgen mit Social Media. Bald solltet ihr euch aber folgende Frage stellen: Wo kann ich in meiner Onlinelandschaft und in meinen Prozessen nutzbringende Social-Feautures einbauen? Einige Beispiele:
- Verteilt Punkte und Badges (Gamification), wenn eure Kunden und Mitarbeiter immer wieder öde Formulare ausfüllen müssen.
- Erweitert euren Onlineshop mit einem Live-Chat.
- Kürt den “most liked”- und “most commenting”-Mitarbeiter des Monats
- Stellt euer Agenturbriefing zusätzlich auf eine Crowdsourcing-Plattform um zusätzliche, kostenlose Inputs zu bekommen
3. Firma und Mitarbeiter fit machen.
- Ist die Nutzung der “neuen Medien” noch nicht in einer Social Media Guideline geregelt? Dann wird’s höchste Zeit – no discussion.
- Was aber nützen die besten Guidelines, wenn die Mitarbeiter die Privatsphären-Einstellungen auf Facebook nicht im Griff haben und die Fotos der letzten Mitarbeiterfete auf “20 Minuten” landen? Schult eure Mitarbeiter durch E-Learning-Videos und Workshops. Zeigt ihnen ausserdem, wie welche Plattformen sinnvoll im Business eingesetzt werden können. Fördert eine reflektierte Selbsterfahrung. Bei Dell gibt es eine Social Media University und richtige Zertifikate.
4. Schleusen auf: Vertraut den Mitarbeitern.
Jeder kennt Unternehmen, die noch immer einen zentralistischen Kontrollansatz verfolgen. Meist sind nicht die IT-Abteilungen die “Bösen”, sondern sie müssen ausbaden, was das Management (häufig aufgrund von Unkenntnis und Angst) entschieden hat. Plattformen wie Facebook zu sperren, wenn jeder Angestellte mit seinem iPhone während der Arbeitszeit zugreifen kann, wirkt etwas hilflos. Bei jüngeren Arbeitnehmern und Hochschulabgängern riskiert man mit solchen Regelungen, dass sie andere Arbeitgeber bevorzugen. Eine uferlose Facebook-Nutzung während der Arbeitszeit muss durch gute Führung gelöst werden.
Mitarbeiter setzen sich in der Regel gerne für ihre Firma ein. Macht es den Mitarbeitern also leicht, ihre Produktivität zu erhöhen – zum Beispiel, indem ihr Citrix abschaltet und dafür, Cloud-Services an, indem relevante Daten für die Mitarbeiter verfügbar werden (die meisten sind sowieso nicht businesskritisch) und Bring-your-own-Equipment-Programme Alltag werden. Bedenken? Dann solltet ihr eurer Geschäftsleitung verbieten Geschäftsdokumente auf Papier auszudrucken oder per E-Mail zu versenden, denn beides ist unverschlüsselt, also jederzeit einsehbar und damit wesentlich riskanter.
5. Interne Kommunikation verbessern.
Die CC-Unkultur ist ein wesentlicher Faktor, warum E-Mail Mitarbeiter ineffizient macht. Unternehmen wie Atos verbieten deshalb bald E-Mail für die interne Kommunikation. Mitarbeiter verbringen aber auch viel Zeit mit der Suche und Erstellung von Informationen, die im Unternehmen bereits vorhanden sind. Und sind wir mal ehrlich: Verständlich meiden die meisten Leute Sharepoint, denn es macht keinen Spass und ist kompliziert zu bedienen.
Rücken Sie das Anschlagsbrett (Intranet) zur Kaffeeecke (Social Network) – dann wird es auch gelesen und diskutiert. Virtuelle Kaffeeecken sind interne Kommunikationsnetzwerke mit der bekannten Funktionalität und Userfreundlichkeit wie Facebook & Co. Sie heissen Yammer, Jive Salesforce Chatter oder IBM Connections und können eure interne Kommunikation massiv verbessern. Statusupdates, Netzwerke, Foren, Blogs etc. lassen die Zusammenarbeit aufblühen. Ein guter Nebeneffekt: Ihr riskiert nicht, dass Geschäftsprojekte auf unsicheren Plattformen wie z.B. versteckten Facebook Groups abgehandelt werden.
6. Social Media Tools Infrastruktur.
Tools fürs Social Media Mangement gibt es mehr als genug:
- Social Media Monitoring Tools tracken, was über eine Marke geredet wird. Meine Favoriten: Sysomos, Radian6, Engagor, Viralheat.
- Social Media Management Tools vereinfachen die Moderation der eigenen Facebook- und Twitter-Auftritte. Ausserdem werden einfach Promotionen sowie die Verwaltung von Facebook-Tabs damit kinderleicht. Meine Favoriten: Shoutlet, Vitrue und Wildfire.
- Ideation und Support Community Tools vernetzen das Produkt-Wissen der User untereinander und entlasten so den Support. Meine Favoriten: GetSatisfaction, Uservoice und Ideascale
- Social CRM Tools, als Weiterführung des Monitorings wird zusätzlich gespeichert, mit wem man was “geredet” hat. Hier setzt ihr die Grundlagen für zukünftige ROI-Cases. Radian6 und Shoutlet sind hier die interessanten Anbieter.
Für alle Tools gilt: Zuerst die Hausaufgaben machen. Definiert eure Social-Media-Management-Prozesse und leitet davon die Anforderungen für die Tools ab – nicht umgekehrt. Seid euch bewusst, dass ihr in den nächsten Jahren Tonnen von Userdaten anhäuft und diese sehr rasch mit den bestehenden CRM-Daten verknüpfen müsst, um mittelfristig einen erfolgreichen und glaubwürdigen Dialog mit den Kunden zu führen.
7. SEO+: Local und Social nicht vergessen.
Ich staune immer wieder, dass Geschäftsadressen nicht korrekt oder unvollständig auf Google Maps und Places integriert sind. Auch bei Search Advertising Kampagnen können Location Based Ads gebucht werden. Wieso sollten Kunden nicht auf Google Maps über euer Unternehmen stolpern?
Auch ohne eigene Googe+-Präsenz ist es sinnvoll, Usern die Möglichkeit zu geben, eure Beiträge und Produktbeschreibungen mit +1 auf Google+ zu teilen – denn dies wirkt sich positive auf das Ranking aus und die Ergebnisseite bei Google wird mit Google+-Informationen angereichert.
8. Online-Video: Mediengerecht informieren
Lange Texte liest man nicht mehr so gerne – weder die Kunden noch eure Mitarbeiter – oder die Leser dieses Blogbeitrags? :-). Baut die Kompetenz auf, wichtige Informationen als Youtube-Film zu verbreiten – das darf gern einfach und authentisch daherkommen. Dass es nicht nur um lustige, aber unwichtige Videos geht, zeigt sich daran, dass Youtube inzwischen die zweitwichtigste Suchmaschine ist. Youtube-Filme können nebenbei auch auf allen Smartphone und Tablets einfach abgespielt werden. Selbst die neuen TV-Geräte sind für Youtube optimiert. Das Geschriebene hat nicht ausgedient, wird aber an seiner Bedeutung stark verlieren. Jetzt ist es Zeit, Erfahrungen in der audiovisuellen Kommunikation zu sammeln.
9. ROI, Dashboards und Reporting
Die Testphase in Social Media ist vorbei. Um Ziele konsequent zu verfolgen, zu messen und fokussiert besser zu werden braucht ihr entsprechende Dashboards und KPIs. Anzahl Fans und Follower sind keine Key-Performance-Indikatoren und reichen nicht aus. Oder kann ihr Management aus den ”Anzahl Fans” einen Business-Nutzen ableiten? Umfassendes Zahlenmaterial kann man nicht früh genug sammeln.
10. Abschied von zu viel Outbound
Das reine Aussenden von Botschaften wie in der klassischen Werbung wird aufgrund der sinkenden Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit immer ineffizienter. Das Zeitalter des Inbound-Marketings beginnt erst – ihr solltet in Stellung gehen, um eine verblüffende Userexperience bei Kundenanfragen hinzulegen.
Die wichtigste Grundlage ist eine Social-CRM-Strategie, die in die bestehenden Infrastruktur (CRM, Newsletter, Suchmaschinen, Bevioral etc.) eingebettet ist. Wie schon Tony von Zappos erfolgreich bewiesen hat: Ihr Callcenter ist keine Kostenstelle, sondern die wichtigste Marketinginvestition.
Viel Spass beim Umsetzen!
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