·

·

AI / Künstliche Intelligenz

OpenAI/ChatGPT

Anthropic/Claude

·

LLM

European AI

Anthropic/Claude

Generative AI

KI-News KW 32 – China öffnet die Modelle, Europa zieht die Zügel an

Aus China kamen gleich drei offene Spitzenmodelle (Qwen3.8-Max, Kimi K3, DeepSeek V4), OpenAI senkte die Preise für GPT-5.6 um 80 Prozent und meldet über eine Milliarde Nutzer, und in Europa ist der AI Act seit dem 2. August durchsetzbar – mit Bussen und neuer Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. Dazu ChatGPT Work als Arbeits-Agent und der Schweizer Sonderweg bei der KI-Regulierung.

Sonderausgabe, mitten in der Woche. Sie deckt die Neuigkeiten seit der letzten Ausgabe (Ende Juli) ab.

1. China zieht bei offenen Modellen davon

Während die westlichen Anbieter letzte Woche mit Opus 5 und Apertus im Rampenlicht standen, kamen aus China gleich drei schwergewichtige Modelle – und alle setzen auf Offenheit.

Qwen3.8-Max (Alibaba). Am 3. August veröffentlichte Alibaba sein bisher grösstes Modell: 2,4 Billionen Parameter, von denen pro Anfrage nur 95 Milliarden aktiv sind. Diese Bauweise (ein «Mixture of Experts») hält die Kosten tief. Alibaba stellt Qwen3.8-Max direkt gegen die Spitze von OpenAI und Anthropic. In den vom Hersteller gezeigten Tests liegt es teils vor GPT-5.6 und Fable 5 – etwa 93,0 auf «PaperBench» gegenüber 90,5 (GPT-5.6 Sol) und 88,8 (Fable 5). Offene Gewichte sollen «nächste Woche» folgen – erstmals für ein Modell dieser Spitzenklasse.

Kimi K3 (Moonshot AI). Bereits am 27. Juli legte Moonshot die vollständigen Gewichte von Kimi K3 offen: 2,8 Billionen Parameter, das grösste je offen veröffentlichte Modell. In der Gesamtleistung liegt es hinter Fable 5 und GPT-5.6 Sol, schlägt aber Opus 4.8 und GPT-5.5 bei Programmier- und Agentenaufgaben. Auch die Infrastruktur dahinter ist offengelegt.

DeepSeek-V4-Flash. Am 31. Juli schob DeepSeek eine schnelle, günstige Variante seines neuen Modells nach.

Einordnung: Zwei Dinge sind wichtig. Erstens: Alle genannten Bestwerte stammen von den Herstellern selbst. Unabhängige Prüfungen fehlen bislang – also mit Vorbehalt lesen. Zweitens: China holt bei offenen Modellen massiv auf und umgeht damit die US-Chip-Beschränkungen. Für Schweizer Organisationen sind offene Modelle grundsätzlich attraktiv – günstig und selbst betreibbar. Aber bei chinesischen Modellen stellen sich Fragen zu Datenschutz, Zensur im Training und Herkunft der Lieferkette. Wer Souveränität sucht, fährt mit dem offenen Schweizer Apertus (siehe letzte Ausgabe) sicherer.

2. Der Preiskampf eskaliert

Die eigentliche Nachricht der Woche ist nicht ein Modell, sondern ein Preis.

Am 30. Juli senkte OpenAI den Preis für sein Modell GPT-5.6 Luna um 80 Prozent: auf 0,20 Dollar pro Million eingegebener Token und 1,20 Dollar pro Million ausgegebener Token – vorher 1 und 6 Dollar. (Ein Token ist die Abrechnungseinheit der Modelle, eine kleine Text-Einheit; grob entspricht eine Million Token rund 750'000 Wörtern.) Die Schwester-Variante Terra wurde 20 Prozent günstiger. OpenAI begründet das mit Effizienzgewinnen; das hauseigene Modell habe unter anderem die eigene Server-Software optimiert und die Betriebskosten um 20 Prozent gesenkt.

Gleichzeitig meldete OpenAI über eine Milliarde aktive Nutzer:innen und mehr als zwei Millionen Firmenkunden. Und Anthropic: Der Aktionspreis für Sonnet 5 (2 und 10 Dollar pro Million Token) läuft am 31. August aus, danach gelten 3 und 15 Dollar.

Einordnung: Intelligenz wird zur Massenware. Die Preise fallen schneller, als viele Budgets geplant haben – gut für alle, die KI einsetzen. Für die Anbieter beginnt ein harter Wettlauf nach unten; Beobachter warnen bereits vor einem «Race to the Bottom». Für dich heißt das konkret: Wer Anwendungen auf einem bestimmten Modell budgetiert hat, sollte die Preise regelmässig neu prüfen – sie ändern sich derzeit im Wochentakt.

Zum Weiterlesen: Welches Modell für welchen Zweck, wie du eine austauschbare KI-Infrastruktur aufbaust und was Token wirklich kosten – inklusive Modellvergleich Claude, Copilot, Mistral, Apertus und chinesische Open-Weight-Modelle: KI im Unternehmen: Welches Modell, welche Infrastruktur – und was das wirklich kostet.

3. OpenAI baut ChatGPT zur Plattform um

OpenAI will mehr sein als ein Chatfenster. Gleich mehrere Schritte zeigen die Richtung.

ChatGPT Work. Seit dem 9. Juli gibt es einen eigenständigen Arbeits-Agenten: ChatGPT Work erledigt Aufgaben über mehrere Apps und das Web hinweg, greift auf lokale Dateien und Programme zu, nutzt einen eingebauten Browser und arbeitet mehrstufige Abläufe selbständig im Hintergrund ab – auf Desktop, in allen Plänen. Über Plugins lassen sich eigene Systeme anbinden, und eine neue «Sites»-Beta baut aus den Ergebnissen interaktive Reports, Live-Dashboards und kleine Web-Apps. Das ist OpenAIs direkte Antwort auf agentische Werkzeuge wie Claude Cowork.

«Sign in with ChatGPT». In einer Beta kannst du dich künftig mit deinem ChatGPT-Konto bei anderen Diensten anmelden – erste Partner sind Airtable, GitLab, HubSpot, Notion, Supabase und Vercel. OpenAI positioniert sich damit als Login-Schicht, ähnlich wie «Anmelden mit Google».

ChatGPT für Forschende. Ein neues Programm gibt berechtigten Wissenschaftler:innen zwölf Monate kostenlosen Zugang zu einem geschützten Team-Arbeitsbereich.

Der Atlas-Browser wird eingestellt. OpenAIs eigener Browser Atlas hört am 9. August auf zu funktionieren. Die agentischen Funktionen wandern direkt in ChatGPT und in das Entwickler-Werkzeug Codex.

Wasserzeichen für Sprach-Audio. Audio aus dem Sprachmodus GPT-Live trägt neu ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen. Ein öffentliches Prüftool kann so nachweisen, ob eine Aufnahme von OpenAI stammt. Nebenbei bekam das nächste große Modell einen Namen: Am 1. August taufte OpenAI es «Astra» – Termin und Preis noch offen.

Einordnung: OpenAI baut an Reichweite und Bindung – ein Arbeits-Agent, eine Login-Schicht, Browserfunktionen im Kernprodukt. Das Wasserzeichen ist der praktisch interessanteste Punkt: ein erster Schritt gegen die Flut synthetischer Stimmen – und er passt zur neuen EU-Transparenzpflicht.

4. Europa & Schweiz: Der AI Act wird scharf gestellt

Für einmal ist die wichtigste Regulierungsnachricht auch die relevanteste für den Alltag.

Seit dem 2. August kann die EU ihren AI Act durchsetzen. Das zuständige AI Office darf nun von Anbietern grosser KI-Modelle technische Unterlagen verlangen, ihre Modelle prüfen, Risikomassnahmen anordnen und Bussen aussprechen – bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, was höher ist. Am selben Tag traten neue Transparenzregeln in Kraft: Bestimmte KI-Systeme müssen Nutzer:innen klar sagen, dass sie mit einer KI sprechen – und dass ein Inhalt von KI erzeugt oder verändert wurde.

Die Schweiz geht einen anderen Weg. Sie verzichtet auf ein eigenes, umfassendes KI-Gesetz nach EU-Vorbild. Stattdessen will sie die KI-Konvention des Europarats ratifizieren und das nationale Recht punktuell anpassen – ein schlankerer, prinzipienbasierter Ansatz.

Einordnung: Für Schweizer Firmen mit Kund:innen oder Töchtern in der EU gilt der AI Act trotzdem. Wer KI-Chatbots betreibt oder KI-generierte Inhalte veröffentlicht, muss diese jetzt kennzeichnen. Das ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern seit letzter Woche geltendes Recht mit Bussen. Und es erklärt, warum «Compliance by Design» plötzlich ein Verkaufsargument ist: Apertus etwa wirbt damit, den Anforderungen des AI Act von Grund auf zu genügen.

5. Kurz und wichtig

Anthropic arbeitet unter der Haube. Der Verbindungsstandard hinter Claude (MCP, die Technik, über die Claude auf Werkzeuge und Daten zugreift) bekam ein Update mit stärkerer, zentral verwaltbarer Anmeldung für Unternehmen. Das ältere Modell Opus 4.1 wird auf der Programmierschnittstelle abgeschaltet – Anthropic empfiehlt den Wechsel auf Opus 4.8. Und personell holt sich Anthropic mit dem Juristen Tino Cuéllar einen Chief Global Affairs Officer – ein Zeichen, wie wichtig Regulierung wird.

Ai4 in Las Vegas. Vom 4. bis 6. August läuft die grösste KI-Konferenz der USA. Die Ankündigungen rund um KI im Unternehmen schauen wir uns für die nächste Ausgabe an.

Noch ein KI-Notizblock. Das Werkzeug Wispr Flow bekam einen Live-Mitschreiber, der Meetings transkribiert und zusammenfasst – Teil einer wachsenden Welle solcher Assistenten fürs Büro.

Drei Dinge, die du diese Woche beachten solltest

1. Kennzeichne KI-Inhalte – jetzt. Seit dem 2. August verlangt der EU AI Act, dass Chatbots sich als KI zu erkennen geben und KI-erzeugte Inhalte markiert werden. Wer EU-Kund:innen hat, sollte Chatbots, generierte Bilder und Texte prüfen.

2. Prüf deine KI-Budgets neu. Die Preise fallen im Wochentakt – GPT-5.6 wurde gerade um 80 Prozent günstiger. Was vor einem Monat kalkuliert wurde, stimmt heute vielleicht nicht mehr.

3. Offene Modelle im Blick behalten – mit Augenmass. Qwen und Kimi zeigen: Offene Spitzenmodelle sind da. Für sensible Daten aber Herkunft und Governance prüfen; für Souveränität bleibt Apertus die sicherere Wahl.

Bereit, KI strategisch anzugehen?

30-minütiges Erstgespräch – kostenlos und unverbindlich. Wir schauen gemeinsam wo ihr steht und was der richtige erste Schritt ist.

Bereit, KI strategisch anzugehen?

30-minütiges Erstgespräch – kostenlos und unverbindlich. Wir schauen gemeinsam wo ihr steht und was der richtige erste Schritt ist.

Welche Newsletter möchtest du abonnieren?
Bitte wähle mindestens einen Newsletter.
Deine Anmeldung war erfolgreich.
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Versuch's bitte nochmals.
Welche Newsletter möchtest du abonnieren?
Bitte wähle mindestens einen Newsletter.
Deine Anmeldung war erfolgreich.
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Versuch's bitte nochmals.