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Anthropic/Claude
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KI-News KW 19 – Claude in Photoshop, GPT-5.5 zieht nach, Apertus 1.5 vor der Tür
Anthropic dockt Claude in neun Kreativ-Apps an. OpenAI bringt GPT-5.5 und schliesst zu Claude beim agentischen Arbeiten auf. Gemini erstellt jetzt Word-, Excel-, PDF- und Slide-Dateien direkt im Chat. Mistral veröffentlicht ein 128B-Modell unter MIT-Lizenz. Und Apertus 1.5 8B kommt diesen Mai – eine ernsthafte Option für sensible Schweizer Daten.

1. Anthropic verbindet Claude mit Adobe, Blender, Autodesk und sechs weiteren Kreativtools
Anthropic hat am 28. April 2026 «Claude for Creative Work» lanciert. Neun neue Connectors verbinden Claude direkt mit Adobe Creative Cloud, Blender, Autodesk Fusion, Ableton, SketchUp, Affinity by Canva, Splice sowie Resolume Arena und Wire. Damit positioniert sich Claude als Orchestrierungsschicht für Design-, 3D-, Musik- und Live-Visual-Pipelines.
Der Adobe-Connector greift auf über 50 Tools aus der Creative Cloud zu, darunter Photoshop, Premiere und Express. Der Fusion-Connector erzeugt 3D-Modelle aus natürlichsprachlicher Beschreibung. Der Blender-Connector basiert auf MCP und steht damit auch anderen LLMs offen. Anthropic kooperiert zudem mit der Rhode Island School of Design, dem Ringling College und Goldsmiths London für Studierendenzugänge.
Den Schritt einordnen muss man mit Blick auf das zwei Wochen früher veröffentlichte Claude Opus 4.7 (16. April) und Claude Design (17. April). Anthropic baut Claude vom Chat-Assistenten zum Werkzeug-Hub um.
Empfehlung: Wer im Marketing oder Design mit Adobe arbeitet, sollte den Connector testen. Realistisch ist heute Beschleunigung repetitiver Schritte, nicht der Ersatz von Designarbeit.
Quellen: Anthropic: Claude for Creative Work | 9to5Mac | Neowin
2. OpenAI veröffentlicht GPT-5.5 – und holt bei agentischem Arbeiten auf
OpenAI hat am 23. April 2026 GPT-5.5 lanciert. Das Modell plant mehrstufige Aufgaben, nutzt Tools, prüft eigene Resultate und arbeitet sich durch Mehrdeutigkeit. Wurde auch Zeit. Anthropic zeigt das mit Claude seit Mitte 2024. Mal schauen, wie viel ChatGPT in der Praxis aufgeholt hat. Die API steht seit dem 24. April bereit, mit 1 Mio. Token Kontextfenster (400K in Codex).
Die publizierten Benchmarks (alle von OpenAI):
84.9 % auf GDPval (Wissensarbeit über 44 Berufe)
78.7 % auf OSWorld-Verified (Computer-Bedienung)
98.0 % auf Tau2-bench Telecom (Customer-Service-Workflows ohne Prompt-Tuning)
82.7 % auf Terminal-Bench 2.0 (Claude Opus 4.7: 69.4 %, Gemini 3.1 Pro: 68.5 %)
Benchmarks sind Trockentests und sagen wenig über die Realität. Zudem messen sie das nackte Modell über die API. In ChatGPT kommt etwas anderes an: System-Prompts, Sicherheitsfilter und UI-Layer verändern das Verhalten. ChatGPT ist Consumer-Produkt, keine Business-Plattform. OpenAI hat in den letzten Monaten mehrfach Modelle in ChatGPT abgewertet oder mit Default-Prompts überschrieben, ohne das transparent zu kommunizieren. Wer mit der echten Modell-Performance arbeiten will, geht via API oder Codex – nicht via ChatGPT-UI.
Vorbehalt: Vendor-Benchmarks von OpenAI selbst. Entscheidend ist nicht die Tabelle, sondern wie zuverlässig der Agent einen echten Task ohne Eingriff zu Ende bringt – und wie viel davon im Endprodukt ChatGPT überhaupt ankommt.
Quellen: OpenAI: Introducing GPT-5.5 | TechCrunch | Decrypt
3. Google: Gemini erstellt jetzt Word, Excel, PDF und Slides direkt im Chat
Das ist neu: Gemini generiert auf Zuruf Dateien – Word-Dokumente, Excel-Sheets, PDFs, Google Docs, Sheets und Slides. Wer ein Memo, eine Tabelle oder eine Slide-Deck-Skizze braucht, bekommt sie direkt zum Download im Chat. Die Funktion ist global ausgerollt, gilt für alle Gemini-App-User und schliesst eine Lücke, in der ChatGPT mit Canvas und Claude mit Artefakten bisher voraus waren.
Im April-Drop weiter dabei: native macOS-App, personalisierte Bildgenerierung, NotebookLM-Projektordnung, Lyria-3-Pro-Musiktracks bis 3 Minuten gratis.
Das Problem ist nicht das Modell. Google ist in Teilen innovativ. Aber der Rollout ist chronisch schleppend. Beispiel NotebookLM: Die Projektordner sind in der Schweiz noch immer nicht verfügbar – auch nicht für zahlende Business-User. Wer Funktionen bei Gemini liest, sollte zuerst prüfen, ob sie hier überhaupt ankommen. Wenn Google so weiterfährt, verliert es weiter den Anschluss zu Anthropic und OpenAI – nicht technisch, sondern bei der Distribution.
Parallel hat Google am 21. April Deep Research und Deep Research Max in der Gemini-API lanciert. Beide laufen auf Gemini 3.1 Pro, Max nutzt mehr Compute für lange asynchrone Recherchen. Zielgruppe: Enterprise-Analyst:innen.
Empfehlung: Datei-Generierung im Workflow testen, sobald sie in der Schweiz für deinen Account verfügbar ist. Bei Gemini-Features grundsätzlich vorab prüfen, ob sie auch hier funktionieren.
Quellen: Google: Files in Gemini | Gemini Drop April 2026 | Deep Research Max
4. Mistral veröffentlicht Medium 3.5 – holt auf, kleine Modelle bleiben spannender
Mistral AI hat am 29. April 2026 Mistral Medium 3.5 publiziert: ein dichtes 128B-Modell mit 256K-Kontextfenster, Lizenz modifizierte MIT, auf Hugging Face zum Download. Score auf SWE-Bench Verified: 77.6 %. Das Modell schliesst die Lücke zu Claude und GPT-5.5 deutlich – auch wenn das Kontextfenster gegenüber 1 Mio. Token bei OpenAI und 200K bei Claude noch knapp bleibt.
Mistrals echte Kernstärke ist nicht die Benchmark, sondern die Geografie: Das Datacenter steht in Frankreich. Kein US Cloud Act, kein Patriot Act, keine zwingende Datenherausgabe an US-Behörden. Für Schweizer Unternehmen mit EU-Datenschutz-Anforderungen ist Mistral oft die einzige Cloud-Variante, die ohne Drittland-Übermittlungs-Frage auskommt.
Spannender als das 128B-Flagship sind aber Mistrals kleine Modelle. Die lassen sich on-premise betreiben – auf eigenen GPUs, im eigenen Rechenzentrum, ohne dass Daten das Haus verlassen. 128B braucht ein eigenes Datacenter, um produktiv zu laufen; ein 7B oder 24B läuft auf vier Workstation-Karten. Genau hier wird Open Source nutzbar.
Gleichzeitig hat Mistral «Vibe Remote Agents» lanciert: Coding-Sessions in der Cloud, startbar aus CLI oder Le Chat, mit Integration in GitHub, Linear, Jira, Sentry, Slack und Teams. Bereits am 28. April kam Workflows als Public Preview – Orchestrierung mit Human-in-the-Loop und On-Prem-Deployment.
Empfehlung: Für sensible Daten in der Schweiz oder EU: Mistral als Cloud-Option prüfen, wenn US-Anbieter rechtlich heikel sind. Für volle Kontrolle die kleinen Modelle on-premise testen – das ist die Open-Source-Logik in der Praxis.
Quellen: Mistral: Vibe Remote Agents + Medium 3.5 | MarkTechPost | The Decoder: Workflows
5. Schweiz & Europa: Apertus 1.5 schliesst zu Gemma auf, EU-Fristen bleiben offen
Apertus, das offene Sprachmodell von ETH, EPFL und CSCS, bekommt diesen Mai eine 1.5-Version der 8B-Variante. Der Sprung ist relevant: Apertus 1.0 konnte bereits mit Metas Llama mithalten. Apertus 1.5 schliesst nun zu Googles Gemma-Modellen auf. Damit ist die Schweiz bei den offenen 8B-Modellen erstmals auf Augenhöhe mit den US-Tech-Konzernen. Darauf darf man stolz sein.
Praxisrelevant ist das für jede Schweizer Firma, die heikle Daten verarbeitet und sie nicht in eine US-Cloud schicken will: Apertus läuft self-hosted oder über Swisscom als Schweizer Anbieter, bleibt unter Schweizer Recht und ist vollständig offen dokumentiert. Konkret: interne Anwendungen mit Personendaten, Verträgen, Patientendaten oder Behördenkommunikation lassen sich auf Apertus aufsetzen, ohne dass die Daten das Haus verlassen. Der Kanton Tessin macht das seit März für Verwaltungsübersetzungen vor.
In Brüssel ist die EU-AI-Act-Frist weiter unklar. Eigentlich sollten ab 2. August 2026 die strengen Regeln für Hochrisiko-Systeme gelten. Die EU-Kommission will diese Frist um 16 Monate verschieben, der Trilog dazu endete am 28. April ohne Einigung. Heisst für Schweizer Firmen mit EU-Geschäft: weiter auf den 2. August 2026 hinarbeiten. Wer KI-Systeme im EU-Markt einsetzt, sollte jetzt eine Inventarliste machen, die Risikoklasse jedes Systems bestimmen und Lücken in Dokumentation und Risikomanagement schliessen.
Schweizer Recht selbst kommt sektoral – also keine eigene umfassende KI-Verordnung, sondern Anpassungen in einzelnen Gesetzen. Der Vorschlag des Bundes wird Ende 2026 erwartet.
Aus den USA: Anthropic publizierte am 24. April Wahlsicherheits-Massnahmen für die Midterms 2026. Opus 4.7 erreichte in Anthropics Tests 95 %, Sonnet 4.6 96 % auf politischer Neutralität.
Empfehlung: Apertus 1.5 8B aufs Radar nehmen, sobald veröffentlicht. Für interne Use Cases mit sensiblen Daten ist ein offenes, in der Schweiz gehostetes Modell oft die einzig saubere Option.
Quellen: Apertus / EPFL | Apertus / Tessin | EU-Trilog: DLA Piper | Anthropic: Election Safeguards
Drei Empfehlungen für die Woche
Connector statt Copy-Paste: Wer Adobe oder Blender im Stack hat, sollte den Claude-Connector im Pilot ausprobieren. Frage: Welche zwei bis drei repetitiven Schritte spart das pro Projekt?
Agentische Modelle nüchtern testen: GPT-5.5 und Mistral Medium 3.5 versprechen autonome Multi-Step-Tasks. Statt Benchmarks zu glauben, einen echten Workflow durchspielen – und messen, wie oft eingegriffen werden muss.
Apertus 1.5 für sensible Daten prüfen: Sobald das neue 8B-Modell raus ist, mit einem konkreten internen Use Case testen. Verträge, HR-Daten, Behördenkommunikation – Anwendungen, bei denen die Daten nicht ins Ausland sollen.