·
·
AI / Künstliche Intelligenz
OpenAI/ChatGPT
Anthropic/Claude
Google / Gemini
Mistral AI
·
LLM
OpenAI/ChatGPT
Anthropic/Claude
Google/Gemini
Mistral AI
Generative AI
KI-News KW 27 – Washington wird zum Türsteher, Fable 5 vor der Rückkehr, Chips und Strom als echter Engpass
Washington wird zum Türsteher für KI-Modelle: OpenAI gibt GPT-5.6 (Sol, Terra, Luna) vorerst nur an rund 20 freigegebene Partner frei, Anthropics Fable 5 steht nach der Sperre vor der Rückkehr – Mythos 5 bleibt für wenige. Dazu: Der erste jobs.ch KI Report zeigt schrumpfende Einsteigerjobs, Oracle erlebt die schlimmste Börsenwoche seit 2001, Speicherknappheit treibt die Preise von Xbox bis MacBook – und das eigentliche Nadelöhr der KI sind Chips und Strom.

1. GPT-5.6 ist da – aber nur mit Erlaubnis der US-Regierung
Am Freitag, 26. Juni, hat OpenAI GPT-5.6 vorgestellt: drei Modelle namens Sol (Flaggschiff), Terra (Allrounder) und Luna (schnell und günstig). Der Haken: Nutzen kannst du sie noch nicht.
OpenAI gibt GPT-5.6 vorerst nur an rund 20 von der US-Regierung freigegebene Partner frei, und nur in den USA. Grund ist ein Eingriff aus Washington. Handelsminister Howard Lutnick rief OpenAI-Chef Sam Altman an und warnte ihn davor, das Modell ohne Freigabe der Behörden zu veröffentlichen. Wer Zugang bekommt, wird einzeln entschieden.
OpenAI sagt offen, was es davon hält: «Wir glauben nicht, dass dieser Prozess der Regierungsfreigabe zum Dauerzustand werden sollte. Er hält die besten Werkzeuge von den Menschen fern, die sie brauchen.» Das Unternehmen macht trotzdem mit – als schnellsten Weg zur breiten Verfügbarkeit in den nächsten Wochen.
Zum Modell, soweit bekannt: Terra liefert laut OpenAI die Leistung des Vorgängers GPT-5.5 zum halben Preis. Die Preise pro Million Token: Sol 5 / 30 Dollar (Eingabe/Ausgabe), Terra 2.50 / 15 Dollar, Luna 1 / 6 Dollar.
Einordnung: Das ist jetzt der zweite Fall, in dem Washington einschreitet – und das Muster wird klar: Ab jetzt wird entschieden, wer die neusten Modelle nutzen darf und wer nicht. Geschäftskritische Prozesse baust du deshalb besser auf Open-Weight-Modellen oder europäischen Alternativen wie Mistral auf.
2. Fable 5 kommt zurück – Mythos 5 bleibt für wenige
Zwei Dinge auseinanderhalten, weil die Lage oft verwechselt wird. Fable 5, der kleine Bruder von Mythos, ist Stand 29. Juni noch offline, steht aber kurz vor der breiten Rückkehr. Mythos 5 ist seit dem 26. Juni teilweise zurück – aber nur für wenige.
Mythos 5, nur für ausgesuchte Stellen. Handelsminister Howard Lutnick erlaubte am 26. Juni in einem Brief an Anthropic-Mitgründer Tom Brown, Mythos 5 ohne Export-Lizenz an eine festgelegte Gruppe US-Organisationen auszuliefern: Betreiber kritischer Infrastruktur, Bundesbehörden, nationale Labore (Liste «Annex A»). Mythos 5 ist die Version ohne Schutzfilter und war nie frei verfügbar.
Fable 5 steht vor der Rückkehr für alle. Axios meldete am 27. Juni: Die US-Regierung sei kurz davor, die Sperre für Fable 5 aufzuheben – möglicherweise schon in dieser Woche. Pentagon und NSA müssen noch zustimmen, andere Behörden haben Fable 5 bereits freigegeben. Offen ist, ob zahlende Abonnent:innen die zugesagte Gratis-Nutzung zurückbekommen oder ob Fable 5 künftig Geld oder eine Identitätsprüfung kostet.
Gegen ein Gerücht: Dass Fable 5 am 21./22. Juni kurz im Modell-Selektor der Android-App auftauchte, war ein Anzeigefehler. Anthropic stellte klar, man leite «exakt null Anfragen» an Fable 5 weiter. Verfügbar war es nie.
Der Unterschied der beiden: Fable 5 und Mythos 5 sind dasselbe Modell. Fable 5 hat zusätzliche Schutzfilter, die heikle Anfragen ans schwächere Opus 4.8 umleiten. Genau deshalb darf der geschützte kleine Bruder zuerst zurück, während das ungefilterte Mythos 5 auf wenige beschränkt bleibt.
3. Schweizer Arbeitsmarkt: KI drückt die Einsteigerjobs
Der erste jobs.ch KI Report ist da. Er hat 7,3 Millionen Stelleninserate auf jobs.ch, jobup.ch und JobScout24.ch ausgewertet, ergänzt durch Befragungen von über 3'600 Mitarbeitenden und rund 850 Unternehmen. Untersucht wurden 18 Berufskategorien und 19 Regionen.
Das zentrale Ergebnis: Der Anteil der Inserate für Berufseinsteiger:innen lag 2025 rund ein Drittel unter dem Schnitt der Jahre 2019 bis 2022 – also der Phase vor dem Durchbruch generativer KI. In Berufen, deren Aufgaben sich besonders gut durch KI unterstützen oder teilautomatisieren lassen, fiel der Junior-Anteil um 16 Prozent gegenüber der Vor-KI-Phase. Betroffen sind unter anderem Administration, HR, Banking, Finance, Marketing, Einkauf, Verkauf, IT und Telekommunikation.
Gleichzeitig stieg der Anteil der Senior-Profile um 26 Prozent. Firmen suchen weiter erfahrene Fachkräfte – Menschen, die schnell produktiv einsetzbar sind.
Einordnung: Was bei den Developer-Jobs bereits eingetreten ist, breitet sich nun aus: Einsteigerjobs werden durch KI ersetzt, Seniors werden gebraucht. Die Frage bleibt offen, wie es in Zukunft Seniors geben soll, wenn keine Einsteiger ausgebildet werden.
4. Das Problem sind nicht die Modelle – sondern Chips und Strom
Diese Woche zeigte an mehreren Stellen, wo die KI-Welle wirklich klemmt: nicht bei den Modellen, sondern bei Rechenleistung, Speicher und Energie.
Google rationiert – sogar bei Meta. Google hat Metas Nutzung der Gemini-Modelle beschränkt, weil es nicht so viel Rechenkapazität liefern kann, wie Meta haben will (Financial Times und Bloomberg, 28. Juni). Mehrere Kund:innen sind gedrosselt, Meta trifft es besonders. Die Folge: Meta hat intern Projekte zurückgestellt und seine Leute zum Sparen angehalten. Selbst ein Konzern, der Milliarden in eigene Rechenzentren steckt, muss bei einem Konkurrenten einkaufen – und wird jetzt rationiert.
Oracle erlebt die schlimmste Woche seit dem Dotcom-Crash. Die Oracle-Aktie verlor in einer Woche 19 Prozent und schloss am 26. Juni bei 148.53 Dollar – der grösste Wocheneinbruch seit August 2001. Im Juni steht ein Minus von rund 29 Prozent. Grund sind Zweifel an den Finanzen: Die Schulden stiegen auf 156,2 Milliarden Dollar (Ende Mai, ein Jahr zuvor rund 87 Milliarden), die Investitionen in KI-Rechenzentren auf 55,7 Milliarden Dollar (fast verdreifacht), der freie Mittelfluss lag bei minus 23,7 Milliarden. 2027 will Oracle weitere 40 Milliarden über Schulden und neue Aktien aufnehmen. Die Börse zweifelt offen, ob sich der teure Ausbau je rechnet.
Den Boom zahlst du mit. Der Speicher wird knapp, weil die KI-Firmen riesige Mengen für ihre Rechenzentren aufkaufen. Die Folge landet auf deiner Rechnung: Microsoft erhöht die Xbox-Preise ab 1. August um 100 bis 150 Dollar. Apple hat am selben Tag nachgezogen – das MacBook Neo von 599 auf 699 Dollar, das iPad Air (128 GB) von 599 auf 749, das iPad Pro (256 GB) von 999 auf 1199. PlayStation 5 und Switch 2 wurden schon früher teurer. Die Speicherpreise könnten im dritten Quartal um 40 bis 50 Prozent steigen, im vierten um weitere 30 bis 40. Entspannung erwarten Analysten erst um 2028.
Und das Klima steht quer. Während Europa in der Hitzewelle schwitzt, kämpfen die Rechenzentren ums Kühlen. Kühlung macht schon im Normalbetrieb rund 40 Prozent ihres Energieverbrauchs aus, bei Extremhitze mehr – genau dann, wenn das Stromnetz am wenigsten Reserve hat. Laut einer Studie der UN-Universität könnte der KI-Wasserverbrauch bis Ende des Jahrzehnts dem jährlichen Grundbedarf von 1,3 Milliarden Menschen entsprechen.
Einordnung: Das eigentliche Nadelöhr ist nicht die KI, sondern Chips und Strom. Daraus folgen für mich zwei Auswege. Erstens spezialisierte Modelle, die auf kleinen Servern laufen und für ihre konkrete Aufgabe oft besser sind als die grossen Allwisser. Zweitens dezentrale, lokale Modelle auf dem eigenen Rechner mit starken Chips – statt immer grösserer zentraler Rechenzentren. Langfristig könnte die Physik helfen: Forschende der Uni Kiel haben gezeigt, dass sich Elektronen in Graphen mit Lichtimpulsen statt mit Strom steuern lassen. In diesem Tempo könnten Chips bis zu 10'000-mal schneller schalten und dabei weniger Strom brauchen. Noch ist das Grundlagenforschung – die Elektronen zuverlässig in einen Schaltkreis zu bringen, ist ungelöst. Aber die Richtung stimmt: Die Zukunft liegt in lokalen Modellen auf starker Hardware, nicht in immer grösseren Rechenzentren.
5. Kurz und wichtig
Mistral rüstet für den Firmeneinsatz nach. Der französische Anbieter hat Ende Juni die Anbindung an Firmen-Software ausgebaut: mehr Kontrolle für Administrator:innen, engere Zugriffsrechte und Verbindungen zu mehreren Konten gleichzeitig. Gleiche Richtung wie Anthropics zentral verwaltete Anbindungen aus KW 26 – die Anbieter machen ihre KI reif fürs Unternehmen, weg vom Selbst-Einrichten durch jede einzelne Person.
Claude Design teilt jetzt das Limit – und exportiert sauber. Claude Design nutzt neu dasselbe Nutzungskontingent wie Chat, Cowork und Claude Code, was den meisten mehr Spielraum gibt. Export geht zuverlässig nach PDF und PowerPoint, und die Liste der Ziel-Anbindungen wächst: Adobe, Canva, Gamma, Miro, Replit, Vercel, Wix und weitere. Relevant für alle, die mit Claude Entwürfe bauen und sie in ihre bestehenden Programme übergeben wollen.
Drei Dinge, die du diese Woche beachten solltest
1. Rechne mit regulatorischer Verzögerung bei US-Spitzenmodellen. GPT-5.6 startet nur für freigegebene Partner, Fable 5 steht erst vor der Rückkehr – beide Einschränkungen sind nicht technisch, sondern regulatorisch. Plane für kritische Prozesse einen zweiten Anbieter ein und teste ihn. Und schau bei der Rückkehr von Fable 5 genau hin, ob sie an Gebühren oder eine Identitätsprüfung gekoppelt ist.
2. Investier in deine Junioren. Der jobs.ch-Report zeigt: Einsteigerstellen schrumpfen, Senior-Profile sind gefragter. Wer jetzt junge Leute ausbildet und mit KI-Werkzeugen ausstattet, sichert sich die Fachkräfte von morgen.
3. Prüf spezialisierte und lokale Modelle. Der Engpass sind Chips, Speicher und Strom – das treibt Preise und Wartezeiten. Für viele Aufgaben ist ein kleines, fokussiertes Modell auf eigener Hardware günstiger und besser als das grosse Allround-Modell aus der Cloud.