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KI-News KW 41: Anthropic bildet aus, OpenAI schickt Agenten los

Gemini 4 Argon und GPT-6.1 Sol sind da, OpenAI stoppt Astra. Anthropic bildet 10'000 Fachleute aus, Barclays sortiert Mails mit Claude, Mistral zieht nach München und Apertus fehlt im Bundeshaus.

Google und OpenAI haben neue Spitzenmodelle vorgestellt, und plötzlich kosten drei Anbieter fast gleich viel. Ich habe für euch zusammengetragen, warum Anthropic 100 Millionen Dollar in Menschen statt in Rechenzentren steckt und wie Barclays Claude einsetzt. Und Mistral zieht nach München, mitten in die deutsche Industrie.

Neue Modelle: Google legt vor, OpenAI zieht eines zurück

Diese Woche kamen zwei neue Spitzenmodelle. Ein drittes hat OpenAI kurz vor dem Start gestoppt.

Gemini 4 Argon. Google hat am 30. September sein neues Spitzenmodell vorgestellt. Argon ist für lange, mehrstufige Arbeit gebaut: Software entwickeln, Finanz- und Rechtsrecherche, Cyberabwehr. In Tests zu Finanz-, Rechts- und Steuerarbeit liegt es laut Google vorne. Argon darf pro Antwort über 15-mal mehr Text erzeugen als das Vorgängermodell. Das erlaubt grosse Aufgaben in einem Durchgang.

Verfügbar ist Argon noch nicht für alle. Zuerst bekommen es ausgewählte Cyberabwehr-Teams, ohne die üblichen Sperren für Sicherheitsthemen. Die Sicherheitsfirma Wiz fand damit eine kritische Lücke in Software, die Spitäler weltweit nutzen. Danach folgen zahlende API-Kund:innen und das Abo Google AI Ultra. Zum Start kostet Argon 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar für die Ausgabe. Später verdoppelt sich der Preis auf 4 und 20 Dollar.

GPT-6.1 Sol. OpenAI hat am 29. September GPT-6.1 Sol lanciert. Es soll fast an das grosse GPT-6 Astra heranreichen, kostet aber einen Fünftel. Der Preis liegt bei 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar für die Ausgabe.

GPT-6.1 Astra gestoppt. Den Nachfolger von GPT-6 Astra wollte OpenAI im Oktober bringen. Am 28. September hat das Unternehmen den Start abgesagt. In internen Tests hielt sich das Modell nicht an den Auftrag und handelte ohne Erlaubnis. Zudem berichtete es teilweise falsch, was es getan hatte.

Kritisch: Drei Modelle kosten jetzt gleich viel: Gemini 4 Argon zum Startpreis, GPT-6.1 Sol und Claude Sonnet 5.5. Argon spielt aber in einer höheren Liga und wird später doppelt so teuer. Und der Preis pro Token ist ohnehin nur die halbe Rechnung.

Einordnung: Entscheidend ist, wie viele Token ein Modell für eine Aufgabe tatsächlich verbraucht. Ein teureres Modell löst manche Aufgaben in weniger Schritten und kostet am Ende weniger. Lasst drei echte Aufgaben aus eurem Alltag von zwei Modellen lösen und vergleicht Ergebnis und Gesamtkosten.

Anthropic: 10'000 Fachleute, Barclays und der Börsenprospekt

100 Millionen Dollar für Ausbildung. Am 2. Oktober hat Anthropic die Claude Frontier Academy gestartet. Bis Ende 2027 sollen 10'000 Fachleute ausgebildet sein, die KI-Projekte in Firmen von der Idee bis in den Betrieb bringen. Anthropic nennt sie Frontier Deployed Engineers. Dafür stellt Anthropic 100 Millionen Dollar bereit.

Die Ausbildung folgt dem Vorbild der Medizin. Zuerst arbeiten die Teilnehmenden mehrere Tage vor Ort mit Anthropic-Ingenieur:innen. Sie spielen ein komplettes Firmenprojekt durch und legen eine Prüfung ab. Danach leiten sie zwölf Wochen lang ein echtes Claude-Projekt in der eigenen Firma. Am Ende folgt eine zweite Prüfung.

In den ersten Gruppen sitzen Leute von Accenture, Bain, Capgemini, Deloitte, McKinsey, Morgan Stanley und Novo Nordisk. Die Kurse laufen in San Francisco, New York und London. Teilnehmen kann nur, wer von der eigenen Firma nominiert wird.

Barclays baut aus. Die britische Grossbank Barclays hat am 1. Oktober angekündigt, Claude in der ganzen Bank einzusetzen. Drei Beispiele zeigen, wofür:

  • Kundenservice: Ein interner Assistent hilft Mitarbeitenden, Antworten für über 20 Millionen Privatkund:innen schneller zu finden. Über 16'000 Mitarbeitende nutzen ihn. Er hat über eine Million Suchanfragen beantwortet.

  • E-Mails: Im Handelsgeschäft sortiert Claude täglich rund 120'000 eingehende Kundenmails. Es erkennt das Anliegen und leitet die Mail ans richtige Team.

  • Software: Bis Ende 2026 soll die Hälfte der Entwickler:innen mit Claude Code arbeiten. 2027 soll es die Mehrheit sein.

Der Börsenprospekt. Update zu KW39: Reuters liegt ein Entwurf von Anthropics Börsenprospekt vor. 2025 machte Anthropic 4,6 Milliarden Dollar Umsatz und 42 Milliarden Dollar Verlust. Im zweiten Quartal 2026 waren es bereits 11,5 Milliarden Dollar Umsatz. Ein Viertel davon stammt von nur zwei Kund:innen. Mehr als ein Drittel des Prospekts warnt vor Risiken, bis hin zu Gefahren für die Menschheit.

Einordnung: Barclays zeigt, wo der Nutzen liegt: im Sortieren, Suchen und Beantworten, nicht in Showprojekten. Wenn KI täglich 120'000 Mails sortiert, wird es Zeit, die noreply@-Adresse eures Unternehmens durch welcome@ zu ersetzen. Und weil der Engpass laut Anthropic bei den Leuten liegt: Bestimmt zwei bis drei Personen, die KI-Projekte verantworten und dafür Zeit bekommen.

OpenAI DevDay: Agenten, die nie Feierabend machen

An seiner Entwicklerkonferenz am 29. September hat OpenAI Dots vorgestellt. Ein Dot ist ein Agent, der nach dem ersten Auftrag selbständig weiterarbeitet, rund um die Uhr. Er hat einen eigenen Computer und Browser in der Cloud. Er arbeitet in ChatGPT, per SMS, per E-Mail und in Slack. Über 4'000 Dienste lassen sich anbinden. Man kann Regeln festlegen, etwa dass der Dot vor bestimmten Aktionen nachfragt.

Dots laufen mit GPT-6 Astra. Zugang haben die Abos Pro, Business Premium und Enterprise. Bei Enterprise muss ein Admin die Testversion freischalten.

Dazu kommen neue Abos. Pro 500 kostet 500 Dollar im Monat, in Europa 510 Euro. Wer Pro 200 zahlt, bekommt ab 30. Oktober nur noch halb so viel Nutzung wie bisher.

Kritisch: OpenAI hat gerade ein Modell gestoppt, weil es den Auftrag überschritt und falsch über seine Arbeit berichtete. Seit Juli sind Agenten der Firma zweimal aus Testumgebungen ausgebrochen. In derselben Woche schickt OpenAI Agenten los, die ohne Aufsicht mit eigenem Browser arbeiten. Das passt nicht zusammen.

Einordnung: Gebt einem Dot keine Zugänge, die ihr nicht auch einer neuen Praktikantin am ersten Tag geben würdet. Schaltet die Nachfrage vor jeder Aktion ein, die Geld kostet oder nach aussen geht.

Europa: Mistral zieht nach München

Am 28. September hat Mistral einen Standort in München eröffnet. Dort arbeiten Forschungsteams an KI, die physikalische Abläufe berechnet. Gemeint sind etwa Strömungen, Materialverformung und Hitze. Solche Simulationen dauern heute oft Tage pro Durchlauf.

Mit BMW arbeitet Mistral an Crashsimulationen, mit Siemens Energy an Anwendungen für die Industrie. Mit der TU München entstehen digitale Modelle für die Aerodynamik von Autos, gestützt auf echte Messungen im Windkanal. Die Fachleute dafür kamen mit der Übernahme von Emmi AI im Mai, über 30 Personen.

Mistral kündigt zudem an, bis 2030 ein Gigawatt Rechenleistung in Europa aufzubauen. Das Argument für Kund:innen: Die Modelle laufen auf eigenen Servern, die Daten verlassen die Firma nicht.

Update zu KW40: Arthur Mensch legt nach. Gegenüber CNBC sagte er am 29. September: «The debate that we've seen in the U.S. has been a cover for the negligence of some of our competitors.» Auf Deutsch: Die Debatte in den USA verdecke die Nachlässigkeit einiger Konkurrenten. Namen nannte er keine. Mistrals nächstes Modell soll den Abstand zu den US-Laboren laut Mensch «very significantly» verkleinern.

Kritisch: Das ist eine Ankündigung, kein Ergebnis. Das Modell ist noch nicht verfügbar und niemand konnte es unabhängig testen.

Einordnung: Mistral positioniert sich als Partner der europäischen Industrie, nicht als Chatbot-Anbieter. Wer in Produktion, Maschinenbau oder Energie arbeitet und Daten nicht in US-Clouds geben will, sollte Mistral auf die Liste setzen.

Schweiz: KI wird viel genutzt, Apertus kaum

PwC hat am 29. September die Studie «Hopes and Fears 2026» veröffentlicht. Befragt wurden 1'000 Angestellte in der Schweiz.

28 Prozent nutzen generative KI täglich. Weltweit sind es 22 Prozent. Den Nutzen spüren aber wenige:

  • 14 Prozent sagen, KI mache sie motivierter oder zuversichtlicher.

  • 10 Prozent sehen eine klare Verbesserung der Arbeitsqualität.

  • 9 Prozent sagen, KI fördere ihre Fähigkeiten und Kreativität.

  • 22 Prozent hilft KI, komplexere Aufgaben zu bewältigen.

Auch das Vertrauen ist tief. 21 Prozent vertrauen ihrer direkten Führungskraft, 17 Prozent dem Topmanagement. Nur 19 Prozent wissen, welche Fähigkeiten künftig gefragt sind.

Apertus 2.0 wird grösser. Am AI+X Summit in Zürich hat Co-Leiter Imanol Schlag am 1. Oktober erste Details genannt. Apertus 2.0 wird laut SRF acht- bis zehnmal grösser als das heutige Modell. Das Training soll im Dezember abgeschlossen sein. Erscheinen soll das Modell laut Projektseite im ersten Quartal 2027. Im Fokus stehen Programmieren, Mathematik und Agenten, die mehrstufige Aufgaben selbständig erledigen.

Im Alltag kaum im Einsatz. SRF hat am 3. Oktober nachgefragt, wo Apertus heute läuft. Das Parlament nutzt seit dieser Session die KI-Assistentin Pia. Sie bietet vier Modelle an: zwei aus China, eines aus den USA, eines aus Frankreich. Apertus fehlt. Laut Parlamentsdiensten hält es sich zu wenig an die gelieferten Dokumente und erfindet eher etwas dazu. Auch Swisscom verkauft ihren Kund:innen lieber Zugang zu US-Modellen.

Die Mittel sind klein. Apertus hat 20 Millionen Franken für vier Jahre. «Wir sind hier der absolute Underdog», sagt Schlag. Seit 1. Oktober läuft zudem «Hack Apertus», eine landesweite Hackathon-Reihe. Teams bauen dort Prototypen für Verwaltung und Firmen, alle Ergebnisse werden Open Source.

Einordnung: Sammelt pro Team drei Aufgaben, bei denen KI messbar Zeit spart, und zeigt sie im nächsten Teammeeting vor. Apertus zeigt ein typisches Schweizer Problem: Es gibt geniale Lösungen, aber niemand weiss davon. Marketing ist genau so wichtig wie das Produkt an sich. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenige Apertus kennen. Testet es an euren eigenen Aufgaben im Vergleich, vor allem dort, wo Geheimhaltung und Datenschutz zählen.

Kurz und wichtig

US-Wettbewerbsbehörde ermittelt. Die FTC untersucht OpenAI, Anthropic und die Prüforganisation METR wegen der Risiken autonomer Agenten. Es ist das erste US-Verfahren zu Agenten, die mehr tun als vorgesehen. Formelle Auskunftsverlangen sollen in den nächsten Wochen folgen.

Superintelligenz mit Tippfehler. Am 29. September unterschrieben Dario Amodei, Sundar Pichai, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jensen Huang und Greg Brockman im Weissen Haus den «White House Accord on Super Intelligence». Die Firmen versprechen externe Prüfungen, doch bindend ist das nicht: Die Prüfer wählen sie selbst. Unter Trumps Unterschrift steht «President of the Unites States». Für ein Dokument über Superintelligenz hätte schon eine Rechtschreibprüfung gereicht.

Claude Code lässt sich umbauen. Seit 1. Oktober gibt es Mods für Claude Code, das Programmierwerkzeug von Anthropic. Ein Mod ist ein kleines Zusatzprogramm. Es legt fest, wie Claude Code arbeitet und was es anzeigt. Selbst schreiben muss man es nicht: Claude Code baut den Mod auf Anfrage gleich selbst. Anthropic nennt Beispiele für Firmen:

  • Sicherheit: Bevor Claude Einstellungen am Live-System ändert, muss ein Mensch bestätigen.

  • Datenschutz: Passwörter und Zugangsdaten werden geschwärzt, bevor Claude sie zu sehen bekommt.

  • Kontrolle: Ein Mod protokolliert jede Aktion aller anderen Mods.

Mods werden als Plugin installiert und im Team geteilt. In den Team- und Enterprise-Plänen bestimmt der Admin, welche Plugin-Quellen erlaubt sind. Ein eingebauter Sicherheits-Mod verhindert zudem, dass andere Mods gesperrte Aktionen freischalten.

Kritisch: Mods laufen mit denselben Rechten auf dem Rechner wie Claude Code, ohne Schutzhülle. Installiert nur Mods aus Quellen, denen ihr vertraut.

Google ersetzt Gems durch Skills. Seit 5. Oktober rollt Google Skills in Workspace aus, in der Gemini-App ab 13. Oktober. Skills sind wiederverwendbare Arbeitsanleitungen und lösen die bisherigen Gems ab. Sie nutzen dasselbe offene Format wie die Skills in Claude. Eigene Anleitungen lassen sich deshalb zwischen den Plattformen kopieren.

OpenAI trennt sich von drei Sicherheitsleuten. Am 1. Oktober hat OpenAI drei Personen aus dem Sicherheitsteam entlassen. Sie sollen vertrauliche Unterlagen an eine externe Sicherheitsorganisation weitergegeben haben. Um welche Unterlagen es ging, sagt OpenAI nicht.

Drei Dinge, die du diese Woche tun solltest

  1. Zwei Modelle am selben Auftrag testen. Nimm eine echte Aufgabe, etwa eine Offerte zusammenfassen oder eine Tabelle auswerten. Lass sie von Claude Sonnet 5.5 und von GPT-6.1 Sol lösen. Vergleiche, welches Ergebnis du mit weniger Nacharbeit verwenden kannst.

  2. Mails sortieren lassen wie Barclays. Exportiere 20 typische Kundenanfragen ohne Personendaten. Gib sie Claude mit der Bitte, jede einem Thema und einem zuständigen Team zuzuordnen. Prüfe, wie viele Zuordnungen stimmen. In Zukunft sollte keine Firma mehr eine noreply@-Adresse haben.

  3. Mistral Vibe ausprobieren. Öffne Vibe auf chat.mistral.ai und gib eine Rechercheaufgabe aus deinem Arbeitsalltag ein. Vergleiche das Ergebnis mit dem Tool, das du heute nutzt.

Quellen

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