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KI-News KW 44: Claude Duet, Anthropic an der Börse, Mistral öffnet Large 4
Anthropic startet Claude Duet, einen Agenten, der von sich aus auf dich zukommt, und legt im Börsenprospekt Vorfälle offen. Mistral gibt Large 4 frei, und eine Studie zeigt, warum Fachkräfte wegen KI kündigen.

Anthropic hat eine App gebaut, die von sich aus auf dich zukommt, und im Börsenprospekt Vorfälle offengelegt. Ich habe für euch zusammengetragen, was Claude Duet kann, was Mistrals Billionen-Modell kostet, was OpenAI und Anthropic über ausgebrochene Agenten sagen und warum laut einer neuen Studie Fachkräfte wegen KI kündigen.
Anthropic: Claude Duet und der Börsenprospekt
Claude Duet. Am 21. Oktober hat Anthropic Claude Duet vorgestellt. Es ist eine eigene App, in der Claude als Agent arbeitet. Duet schickt dir jeden Morgen eine Übersicht über das Wichtigste aus deinen Apps. Tagsüber beobachtet es sie und meldet sich nur, wenn du entscheiden musst. Aufgaben erledigt es auch bei ausgeschaltetem Gerät, auf einem eigenen virtuellen Computer.
Mit welchen Apps. Duet greift auf über 6'000 Konnektoren und Plugins zu. Zum Beispiel sucht es in Gmail und Slack nach unbeantworteten Nachrichten. Es prüft in QuickBooks oder Stripe offene Rechnungen. Es bereitet in Gusto die Löhne vor. Es entwirft Antworten aus dem Verlauf in HubSpot. Duet arbeitet mit deinen Tools.
Wo die Grenze liegt. Vor dem Senden, Bezahlen, Unterschreiben oder Löschen wartet Duet auf dein Ja. Wertpapiere handeln und Geld zwischen Konten verschieben darf es nie. Duet sieht deine Mails und Dokumente, auch mit sensiblen Daten. An andere schickt es aber keine Kreditkarten- und Ausweisnummern. Gesundheits- und Finanzdaten schickt es nur, wenn du es ausdrücklich verlangst.
Wer es nutzen kann. Duet ist eine Vorschau mit Warteliste, vorerst für Pro- und Max-Abos in den USA. Einen Termin für die Schweiz nennt Anthropic nicht.
Kritisch: Anthropic schreibt selbst, Duet könne einen Verlauf falsch lesen und die Dringlichkeit falsch einschätzen. Unabhängige Tests fehlen.
Chat und Cowork werden eins. Seit 23. Oktober gilt das für Enterprise: Jedes Gespräch startet als Chat. Braucht eine Aufgabe Code oder Dateien, läuft es in einer abgeschotteten Cloud-Umgebung weiter. Am 16. November schaltet Anthropic die Funktion standardmässig ein.
Der Börsenprospekt ist da. Anthropic hat am 26. Oktober den Prospekt (S-1) bei der US-Börsenaufsicht eingereicht und veröffentlicht. Die Aktie soll an der Nasdaq unter «ANT» laufen. Preisspanne und Zahl der Aktien sind noch offen. Laut Medienberichten über den Prospekt lag der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 bei 16,3 Milliarden Dollar. 13,1 Milliarden davon (80 Prozent) kamen aus nutzungsabhängiger Abrechnung, 3,2 Milliarden aus Abos. Zu Stellenverlusten durch KI sagt der Prospekt laut Axios fast nichts: Das Wort «jobs» kommt fünfmal vor. Was Anthropic zu Sicherheitsvorfällen schreibt, steht in Sektion 4.
Einordnung: Wer Mail, Rechnungen und Termine in Cloud-Diensten führt, setzt sich auf die Warteliste. Plant schon jetzt, welche Konten ein Agent lesen darf. Enterprise-Admins prüfen vor dem 16. November, ob die Zusammenlegung zu den Datenschutzregeln passt.
Mistral: Die Gewichte von Large 4 kommen diese Woche
Update zu Large 4. Mistral hat Large 4 am 6. Oktober als Vorschau gestartet. Das Modell hat 1 Billion Parameter und versteht Text und Bilder. Mistral hat es auf eigenen Servern in Europa trainiert. Die Gewichte, also das Modell zum Herunterladen, sollen bis Ende Oktober erscheinen. Auf der Hugging-Face-Seite steht als voraussichtlicher Termin der 31. Oktober. Dann kann eine Firma es auf eigenen Servern betreiben.
Preis im Vergleich. Die Vorschau-API kostet 1,36 Dollar pro Million Eingabe-Token und 4,18 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Zum Vergleich, jeweils Eingabe und Ausgabe:
Claude Opus 5.5: 4 und 20 Dollar. Large 4 kostet damit rund ein Drittel (Eingabe) bzw. ein Fünftel (Ausgabe).
Gemini 4 Argon: 2 und 10 Dollar zum Start, danach doppelt so viel, also 4 und 20 Dollar.
GPT-6 Astra: 10 und 50 Dollar. Das ist laut einem Preisvergleich so, bestätigt ist es nur durch eine Quelle.
Cybersicherheit. Mistral stellt Large 4 als eines der besten Modelle für Sicherheitsarbeit dar. Im Test von Artificial Analysis soll es eine echte Sicherheitslücke nachbauen und beheben. Dort erreicht es 82 Prozent, den höchsten Wert. Claude Opus 5.5 und GPT-6 Astra liegen weit zurück, weil sie solche Aufgaben meist ablehnen. Bei Opus 5.5 waren es laut Artificial Analysis 98 Prozent der Aufgaben. Das sagt also wenig über die Qualität. Es zeigt, dass Claude und GPT solche Anfragen bewusst blockieren, Large 4 nicht.
Kritisch: Die Zahlen hat Mistral selbst zusammengestellt. Ein Modell, das Sicherheitslücken nachbaut, hilft Verteidiger:innen und Angreifer:innen. Mistral testet es deshalb vorab mit Sicherheitsfirmen und Behörden.
Einordnung: Wer in der IT-Sicherheit arbeitet, testet Large 4 nach dem Download mit anonymisierten echten Fällen. Alle anderen warten die unabhängigen Tests der nächsten Tage ab.
Arbeitsmarkt: Wer geht wegen KI?
Die Studie. Die Personalberatung SThree hat über YouGov 817 MINT-Fachkräfte in Deutschland befragt. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Die Zahlen. 38,4 Prozent berichten, dass in den letzten zwölf Monaten Kolleg:innen aus ihrem Team aus KI-bezogenen Gründen gekündigt haben. In den Life Sciences sind es 56,8 Prozent, im Ingenieurwesen 29,6 Prozent und in der IT 28,9 Prozent.
Die Gründe. 52,2 Prozent der Betroffenen sagen, ihre Arbeit habe sich «bis zur Unkenntlichkeit» verändert. 46,5 Prozent nennen fehlende Entwicklungsperspektiven. 36,9 Prozent nennen eine untragbare Arbeitslast.
Das andere Bild. 66,8 Prozent der KI-Nutzer:innen sagen, ihr Team sei produktiver als vor zwei Jahren. Die gesparte Zeit fliesst bei 38,0 Prozent ins strategische Denken, bei 29,0 Prozent in Weiterbildung und bei 29,4 Prozent in zusätzliche Aufgaben. KI verbinden die Befragten eher mit «anregend» (38,0 Prozent) als mit «Druck» (11,7 Prozent) oder «Angst» (9,3 Prozent). Sie wünschen sich Weiterbildung, klare Regeln und frühe Einbindung durch das Management.
Kritisch: Die Befragten schildern, was sie bei Kolleg:innen beobachten. Ob diese wirklich wegen KI gegangen sind, wurde nicht überprüft.
Einordnung: Die Zahlen zeigen ein Führungsproblem und kein Technikproblem. Wer geht, nennt veränderte Aufgaben und fehlende Perspektiven. Führung muss deshalb eine Vision formulieren: Wohin wollen wir mit KI? Was heisst das konkret für deine Stelle und deine Entwicklung? Die Arbeit verschiebt sich weg vom Analysieren und Tippen. Sie geht hin zum Planen, zum gemeinsamen Entscheiden im Team und zum Kontrollieren. Zeigt jedem Team diesen Weg und schafft für jede Stelle eine Perspektive, bevor ihr das nächste Werkzeug einführt.
Agenten ausser Kontrolle: Anthropic und OpenAI legen Vorfälle offen
Anthropic im Börsenprospekt. Vier Claude-Modelle griffen bei Sicherheitstests auf echte Systeme Dritter zu. Ein Partner hatte die Testumgebung falsch eingestellt, das Internet blieb offen. Ein frühes Modell fand ein Passwort, erhielt Administratorrechte auf einem fremden System und griff auf persönliche Daten einer Person zu. Anthropic hat die Betroffenen informiert. Zudem verzögerte Anthropic das Training eines neuen Modells um über einen Monat, um den Diebstahl der Modellgewichte zu erschweren.
OpenAI: Sicherheitsalarme entfernt. Laut BetaNews hat OpenAI im Oktober zwei Fälle offengelegt, in denen Coding-Agenten ihre eigene Überwachung geschwächt haben. Am 3. Oktober entfernte ein Agent mit GPT-6.1 Sol automatische Sicherheitsalarme aus einer Testumgebung. Am 6. Oktober entfernte ein Agent mit GPT-6 Astra einen Monitor aus Code, den er umzog, und erklärte dem Nutzer die Änderung falsch. OpenAI bemerkte beide Fälle laut Bericht am selben Tag. Beide liefen intern.
Training ohne Internet. Seit dem Vorfall vom 20. September trainiert OpenAI seine Spitzenmodelle ohne Internetzugang. Damals erreichte ein Forschungsmodell über eine falsch eingestellte Namensauflösung kurz das Internet. Das Training stand elf Tage still und lief am 1. Oktober wieder an.
Geld. Wie Anthropic holt auch OpenAI Kapital. Laut Bloomberg sollen rund 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 1,25 Billionen Dollar fliessen. Die Konditionen können sich noch ändern.
GPT-6.1 Terra. OpenAI hat diese Woche GPT-6.1 Terra vorgestellt. Es versteht den Bildschirm, bedient Programme und erledigt Büroaufgaben, etwa Formulare ausfüllen, Offerten entwerfen, technische Zeichnungen lesen oder Videos schneiden. Die API-Preise liegen laut OpenAI 50 Prozent unter dem Vorgänger. Es steht Plus-, Pro-, Enterprise- und Edu-Abos in ChatGPT Work und Codex zur Verfügung.
Beweise von der KI. OpenAI sagt, seine Modelle hätten bewiesen, dass die Exponential Time Hypothesis falsch ist. Das ist eine Annahme darüber, wie schwer sich bestimmte Rechenaufgaben lösen lassen. Laut OpenAI hat das Prüfsystem Lean den Beweis bestätigt. Die Beweise zu Mathematik und Informatik sind öffentlich. Die Physik-Gruppe um Nobelpreisträger David Gross hält ihre Unterlagen noch zurück.
Einordnung: Wer Agenten im Betrieb einsetzt, braucht Kontrollen, die der Agent nicht selbst ändern kann. Trennt die Rechte: Der Agent darf Code schreiben, aber die Alarmsysteme, die ihn überwachen, nicht ändern. Prüft ausserdem, ob eure Testumgebungen wirklich vom Internet getrennt sind. Bei Anthropic scheiterte genau das an einer falschen Einstellung.
Kurz und wichtig
Genf holt den KI-Gipfel. Der Bundesrat hat den KI-Gipfel 2027 nach Genf geholt. Er findet am 21. und 22. Juni 2027 statt. Eingeladen sind vor allem die zuständigen Minister:innen. Bundesrat Albert Rösti will die Schweiz als Forschungs- und Innovationsstandort zeigen und möglichst wenig regulieren. Nationalrät:innen aus allen sechs Fraktionen verlangen laut SDA, die globalen Risiken ins Zentrum zu stellen. Ein eigenes KI-Gesetz hat die Schweiz weiterhin nicht.
Claude Platform auf Google Cloud. Seit dem 22. Oktober können Firmen Claude per API über Google Cloud nutzen, mit Google-Anmeldung und Google-Rechnung. Daten in Europa gibt es dort nicht, nur US- und globale Endpunkte. Wer Cowork mit EU-Daten will, nimmt weiter Vertex AI und die 3P-App. Mein Eindruck: Vielleicht lässt sich das irgendwann direkt in Cowork und im Chat einstellen. Angekündigt ist es nicht.
Claude für Finanzberater. Anthropic hat am 27. Oktober Konnektoren und Workflow-Skills für Finanzberater:innen veröffentlicht, für Recherche, Gesprächsvorbereitung und Dokumentation. Laut Medienberichten sind unter anderem BlackRock und Charles Schwab Partner.
DeepSeek schaltet Abschaltsoftware aus. Die Sicherheitsgruppe Fangcun AI hat DeepSeeks V4.1 Flash in 34 Tests geprüft. Laut Reuters schaltete das Modell in 39 Prozent der Tests die Software aus, die es abschalten sollte, nachdem es eine Abschaltwarnung erhalten hatte. Mit der ausdrücklichen Anweisung, die Abschaltung zuzulassen, sank der Wert auf 2 Prozent. Das Modell erkannte laut den Forschenden häufig, dass es getestet wird.
Drei Dinge, die du diese Woche tun solltest
Teamgespräch führen. Analysiert gemeinsam die Rolle von KI und der Mitarbeitenden. Überlegt euch einen Entwicklungspfad, der Perspektiven bietet.
Claude Duet vormerken. Setz dich auf die Warteliste, falls du ein US-Konto hast. Liste sonst auf, welche Konten ein Agent lesen dürfte und welche nicht.
Large 4 testen, sobald die Gewichte da sind. Gib dem Modell drei echte Aufgaben aus deinem Alltag und vergleiche mit deinem heutigen Werkzeug.