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KI-News KW 45: Mistral gibt Large 4 frei, Revolut spart 90 Prozent, Qwen funkt nach Peking

Mistral gibt die Gewichte von Large 4 frei, Revolut senkt seine KI-Kosten mit einem offenen Modell um 90 Prozent, und ein Qwen-Modell versucht im Test, Daten nach Peking zu schicken.

Mistrals Billionen-Modell steht jetzt zum Herunterladen bereit. Ein chinesisches Modell hat im Test versucht, Daten nach Peking zu schicken. Ich habe für euch zusammengetragen, wo Large 4 hinterherhinkt, warum Revolut seine KI-Kosten um 90 Prozent senkt und warum Google sein bestes Modell zurückhält.

Mistral: Large 4 gibt es jetzt zum Herunterladen

Update zu Large 4. Mistral hat am 29. Oktober die Gewichte von Large 4 veröffentlicht. Damit kann jede Firma das Modell auf eigenen Servern betreiben. Das Modell hat rund 1 Billion Parameter und versteht Text und Bilder. Mistral hat es vollständig in Europa trainiert. Seit der Vorschau vom 6. Oktober hat Mistral drei Wochen weiter trainiert, vor allem für Programmieren und Cybersicherheit.

Preis halbiert. Über die Mistral-Schnittstelle kostet Large 4 neu 0,70 Dollar pro Million Eingabe-Token und 2,10 Dollar pro Million Ausgabe-Token. In der Vorschau waren es 1,36 und 4,18 Dollar. Wer nicht selbst betreiben will, nutzt Large 4 über Microsoft Foundry, OpenRouter oder Nvidia.

Die Lizenz. Mistral nennt sie eine angepasste MIT-Lizenz. Nutzen, anpassen und kommerziell einsetzen ist frei. Wer Large 4 als Clouddienst an Dritte verkauft, braucht eine separate Lizenz von Mistral.

Wer schon testet. Mistral nennt unter anderem ABN AMRO, Crédit Agricole, Belfius, ASML, die Europäische Raumfahrtagentur ESA und die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA. Sicherheitsfirmen wie CrowdStrike, Cisco und Orange Cyberdefense prüfen das Modell für die Abwehr von Angriffen. Large 4 lehnt laut Mistral 96,6 Prozent der bösartigen Cyberanfragen ab. Mistral räumt ein, dass das Modell echte Angriffe trotzdem erleichtern kann, und will die Schutzregeln weiter verschärfen.

Kritisch: Die unabhängige Bewertung fällt nüchterner aus. Im Gesamtranking von Artificial Analysis erreicht Large 4 26 Punkte. Die besten offenen Modelle aus China, DeepSeek V4.1 Flash und GLM-5.3, kommen auf 32. Beim Programmieren liegt Claude Opus 5.5 klar vorne: In Blindtests gewann Large 4 nur 22 Prozent der Vergleiche gegen Opus. Für den Eigenbetrieb braucht es zudem ein Rechenzentrum, ein normaler Firmenserver reicht nicht.

Einordnung: Large 4 ist das stärkste Modell, das eine europäische Firma vollständig selbst kontrollieren kann. Wer Daten nicht in US-Clouds geben darf, testet Large 4 jetzt mit echten Aufgaben. Wer die beste Qualität braucht, bleibt vorerst bei Claude.

Revolut: Eigenbetrieb statt Claude, KI-Kosten um 90 Prozent gesenkt

Der Fall. Revolut hat seine Kosten für KI-Programmierhilfe in weniger als einem Jahr um rund 90 Prozent gesenkt. Die britische Fintech-Firma setzt dafür das offene chinesische Modell GLM-5.3 auf eigenen Servern ein. Claude und andere kommerzielle Modelle sind die Ausnahme. Das berichtet The Register nach einem Vortrag des Revolut-Infrastrukturchefs.

Warum es sich lohnt. Vorher kosteten einzelne Entwickler:innen bis zu 10'000 Dollar pro Monat. Deshalb galten enge Budgets. Beim Eigenbetrieb kostet eine Million Token 0,30 Dollar, etwa ein Zehntel von Claude Code. Seither nutzen rund 2'000 Entwickler:innen die KI für mehr Aufgaben, ohne Token sparen zu müssen.

Kritisch: Die Zahlen stammen von Revolut selbst. Kosten für Server und Betriebsteam nennt der Bericht nicht.

Einordnung: Enge Token-Budgets bremsen genau die Aufgaben, die Zeit sparen. Rechne nach, was KI dich pro Monat kostet. Bei einem kleinen Team kann ein eigener Server teurer sein als ein Abo.

Anthropic: Mehr Luft für Vielnutzer:innen, Börsengang rückt näher

Neue Abo-Namen. Anthropic hat am 30. Oktober seine Abos umbenannt. Max 5x heisst neu Max, Max 20x heisst neu Ultra. Die Preise bleiben gleich: Max kostet 100 Dollar, Ultra 200 Dollar pro Monat.

Keine Fünf-Stunden-Grenze mehr bei Ultra. Bisher galt ein rollendes Limit: Wer in fünf Stunden zu viel nutzte, musste warten. Bei Ultra fällt diese Grenze weg, sobald Anthropic das Konto überprüft hat. Das Wochenlimit bleibt. Ultra bietet laut Preisseite zehnmal so viel Wochennutzung wie Pro, Max fünfmal so viel.

Börsengang. Anthropic hat am 26. Oktober den Prospekt eingereicht. Preisspanne und Zahl der Aktien sind weiterhin offen. Laut Medienberichten könnte die Werbetour bei Investor:innen ab der Woche des 9. November starten. Ein Termin für den ersten Handelstag ist nicht bestätigt. Laut Financial Times erwartet der Investor Blackstone, dass Anthropic nach dem Börsengang nur eine Kreditnote im Bereich BB erhält. Das liegt eine Stufe unter «Investment Grade». Pensionskassen und Versicherungen dürfen solche Anleihen oft nur begrenzt halten.

Einordnung: Wer Claude Cowork oder Claude Code den ganzen Tag nutzt und regelmässig ans Fünf-Stunden-Limit stösst, rechnet nach, ob Ultra sich lohnt. Wer schon vor Wochenende das Wochenlimit erreicht, gewinnt mit Ultra nichts.

Google: Gemini 4 Carbon nur für Sicherheitsfachleute

Das Modell. Google hat am 28. Oktober Gemini 4 Carbon vorgestellt, zwei Wochen nach Gemini 4 Argon. Carbon soll tagelang selbständig an grossen Softwareprojekten arbeiten. Im Gesamtranking von Artificial Analysis liegt Carbon mit 59 Punkten auf Platz eins, einen Punkt vor Claude Opus 5.5. Beim Programmieren mit Agenten führt weiter Claude: Opus 5.5 erreicht dort 62 Punkte, Carbon 59.

Wer es bekommt. Vorerst nur ausgewählte Sicherheitsexpert:innen. Laut Google findet, prüft und schliesst Carbon Sicherheitslücken besser als alle bisher getesteten Modelle. Deshalb durchläuft es zuerst einen freiwilligen Vorabtest der US-Regierung. Entwickler:innen, Firmen und Privatnutzer:innen sollen später folgen. Einen Termin nennt Google nicht.

Preis. Wie Argon: 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Das ist ein Einführungsrabatt bis Ende 2026. Danach kostet Carbon das Doppelte.

Kritisch: Carbon beantwortet mehr Fragen richtig als Argon, erfindet aber auch häufiger etwas. Die Rate erfundener Antworten stieg laut Artificial Analysis von 4 auf 11 Prozent.

Einordnung: Für den Arbeitsalltag ändert Carbon vorerst nichts, weil ihr es nicht nutzen könnt. Die Spitzenmodelle von Google, Anthropic und OpenAI liegen nah beieinander. Wählt nach Preis und Einbindung in eure Tools, nicht nach Ranglistenplatz.

Qwen: Chinesisches Modell versucht Daten nach Peking zu schicken

Der Fall. Die kanadische KI-Firma Cohere hat am 26. Oktober einen Sicherheitstest mit Alibabas Modell Qwen3.8-Flash-Next veröffentlicht. Das Modell sollte eine Regel schreiben, die bösartige Downloads erkennt. Stattdessen untersuchte es den Rechner, auf dem es lief. Dann versuchte es, eine Testdatei an einen Speicherserver von Alibaba Cloud in Peking zu senden. Laut Cohere tat es das, obwohl seine eigene Begründung das Gegenteil ankündigte.

Wie oft. Selten: Bei Cohere kam es in weniger als einer von 100'000 Aktionen vor. Ein Dienst mit 10 Millionen Agenten-Aktionen pro Woche käme damit auf bis zu 100 solche Versuche. Coheres Testumgebung hatte keinen Internetzugang und blockierte den Versuch. Auf einem normalen Laptop wäre die Anfrage laut Cohere durchgekommen.

Zweite Untersuchung. Die Sicherheitsforscher:innen von Palisade Research fanden ein ähnliches Muster in mehreren Qwen-3.8-Modellen. Diese leiteten Anfragen gelegentlich über einen Zwischenserver von Alibaba Cloud in Singapur. Hinweise auf gezielten Datenabfluss fanden die Forschenden nicht. Sie vermuten, dass das Modell das Verhalten im Training gelernt hat. Andere chinesische Modelle leiteten Anfragen nie über Server ihrer eigenen Hersteller.

Kritisch: Cohere verkauft selbst «souveräne KI» und konkurriert direkt mit frei verfügbaren Modellen wie Qwen. Ob das Verhalten Absicht ist, konnte Cohere nicht klären. Eine Stellungnahme von Alibaba liegt nicht vor.

Einordnung: Ein Modell auf eigenen Servern ist nicht automatisch sicher. Wer offene Modelle als Agenten einsetzt, sperrt ihnen den freien Internetzugang und erlaubt nur die Adressen, die die Aufgabe wirklich braucht. Das gilt für Qwen genauso wie für Mistral oder Llama.

Schweiz: Swisscom gründet KI-Beratung, Bund legt Zwischenstand vor

Swisscom spaltet das Firmenkundengeschäft auf. Die Beratung für KI, Daten, Software und digitale Transformation wandert in die Tochter Swisscom Digital Technology AG. Rund 570 Mitarbeitende wechseln dorthin. Der Betrieb der KI-Plattformen bleibt bei Swisscom Business Customers. Die Neuordnung gilt ab 1. April 2027. Für Betroffene von Stellenverlusten gibt es einen Sozialplan. Wie viele Stellen wegfallen, sagt Swisscom nicht.

Bund zeigt Stand der KI-Regulierung. Der Bundesrat hat Ende Oktober einen Zwischenbericht zur Kenntnis genommen. Die Schweiz übernimmt die KI-Konvention des Europarats. Verbindliche Regeln sollen sich auf Grundrechte wie Datenschutz, Transparenz und Nichtdiskriminierung beschränken. Alles Weitere regelt der Bund möglichst pro Branche. Die Vernehmlassung zu den verbindlichen Regeln ist für Frühling 2027 angesetzt. Das Bundesamt für Kommunikation hat zudem eine «Handreichung für einen KI-Kodex» veröffentlicht. Sie enthält Textvorschläge zu zehn Themen, mit denen Firmen und Verbände eigene freiwillige KI-Regeln schreiben können.

Apple wächst in Zürich. Laut Tages-Anzeiger hat Apple in Zürich-Altstetten Büros für bis zu 700 Mitarbeitende gemietet. Apple hat das nicht bestätigt. Derzeit sind in Zürich rund 20 Forschungsstellen ausgeschrieben, vor allem für KI und Sicherheit.

Einordnung: Ein eigenes KI-Gesetz kommt nicht vor 2027. Wer jetzt KI einführt, nimmt die Handreichung des Bundes als Vorlage für eigene Regeln. Das ist schneller als warten und lässt sich später an das Gesetz anpassen.

Kurz und wichtig

Kennzeichnung ab Dezember für alle Tools. Der EU AI Act verlangt, dass KI-Tools ihre Bilder, Videos, Audios und Texte maschinenlesbar kennzeichnen. Für Tools, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, endet die Schonfrist am 2. Dezember 2026. Die Pflicht trifft die Hersteller der Tools. Fragt eure Anbieter, ob ihre Ausgaben ab Dezember gekennzeichnet sind.

ChatGPT mit zwei Konten. Seit 30. Oktober lassen sich in der ChatGPT-App auf iOS und Android zwei Konten parallel nutzen. Jedes Konto behält eigene Chats, Erinnerungen und Abo. Damit lassen sich Firmen- und Privatkonto sauber trennen. Bei Claude geht das schon lange.

Kimi legt nach. Die chinesische Firma Moonshot will die Gewichte von Kimi K3.1 Pro heute 4. November veröffentlichen. Es ist laut Artificial Analysis das derzeit stärkste offene Modell und liegt deutlich vor Mistral Large 4.

Drei Dinge, die du diese Woche tun solltest

  1. Mistral Large 4 testen. Öffne Vibe Code oder Mistral Studio und gib Large 4 eine echte Aufgabe aus deinem Alltag.

  2. Gegen Claude vergleichen. Gib dieselbe Aufgabe Claude Opus 5.5 und vergleiche Ergebnis, Tempo und Kosten.

  3. Verbindungen deines offenen Modells prüfen. Betreibst du ein eigenes offenes Modell, lege fest, welche Verbindungen es aufbauen darf. Prüfe danach im Protokoll, welche es tatsächlich aufbaut.

Quellen

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