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KI-News KW 28 – Welches Modell für welche Aufgabe: Sonnet 5 als neuer Standard, Fable 5 zurück mit Bremse, Googles Monsterwoche
Anthropic hat am 30. Juni Claude Sonnet 5 lanciert – Opus-nahe Leistung fürs Alltagsgeschäft. Fable 5 ist seit 1. Juli global zurück, aber mit neuem Schutzfilter und ab 7. Juli nur noch über Usage Credits. Google legt eine Monsterwoche hin: NotebookLM-Shorts, Nano Banana 2 Lite, Gemini in der Mac-App mit Spark (in der Schweiz noch nicht verfügbar). Dazu Claude Managed Agents, Claude Tag für Slack – und Cursor gehört neu zu SpaceX.

1. Claude Sonnet 5 – der neue Standard für den Alltag
Anthropic hat am 30. Juni Claude Sonnet 5 veröffentlicht. Es ist das bisher agentischste Sonnet-Modell: Es plant, nutzt Werkzeuge wie Browser und Terminal und arbeitet eigenständig über mehrere Schritte. Seine Leistung liegt nahe an Opus 4.8 – bei deutlich tieferem Preis. Gegenüber dem Vorgänger Sonnet 4.6 legt es bei Reasoning, Tool-Nutzung, Programmieren und Wissensarbeit klar zu. Auf einem agentischen Coding-Benchmark erreicht Sonnet 5 63,2 Prozent, Opus 4.8 kommt auf 69,2 Prozent, Sonnet 4.6 auf 58,1 Prozent.
Sonnet 5 ist ab sofort der Standard für Free- und Pro-Pläne und auch für Max, Team und Enterprise verfügbar, dazu in Claude Code und über die API (claude-sonnet-5). Die Cyber-Schutzfilter sind standardmässig aktiv. Ein neuer Tokenizer zählt für denselben Text rund 1,0- bis 1,35-mal mehr Token.
Einordnung: In Foren beklagen sich einige, Sonnet 5 sei am Ende teurer als Opus, weil es länger für gute Resultate brauche. Diese Kritik kommt fast nur von Entwickler:innen mit reinen Coding-Aufgaben. Für Wissensarbeit – Recherchieren, Schreiben, Analysieren, Zusammenfassen – ist Sonnet 5 effizient und stark. Genau da liegt der Nutzen für die meisten: Opus-nahe Qualität, günstiger im Betrieb.
Als Faustregel für die Modellwahl: Auf dem Pro-Plan Sonnet 5 als Standard nehmen und für Komplexes auf Opus 4.8 hochschalten. Auf den Max-Plänen Opus 4.8 als Standard, Sonnet 5 wenn du oft ans Limit stösst, Fable 5 nur für die schwierigsten Aufgaben.
2. Fable 5 ist zurück – aber mit angezogener Bremse
Das Update zur Story aus KW 27: Am 30. Juni hat die US-Regierung die Export-Kontrollen auf Fable 5 und Mythos 5 aufgehoben. Fable 5 ist seit dem 1. Juli wieder global verfügbar. Zur Erinnerung: Am 12. Juni hatte Washington die Sperre verhängt, worauf Anthropic den Zugang für alle aussetzte.
Zwei Bremsen kommen mit der Rückkehr. Erstens ein neuer Schutzfilter: Ein Classifier prüft jede Anfrage und blockiert Cybersecurity- und teils Biologie-Aufgaben. Heikle oder mehrdeutige Anfragen leitet er an Opus 4.8 um – du bekommst trotzdem eine Antwort, nur von einem anderen Modell. Bei normaler Wissensarbeit greift die Blockade in der Praxis selten.
Zweitens der Zugang: Für Pro, Max, Team und ausgewählte Enterprise-Pläne ist Fable 5 bis 7. Juli mit bis zu 50 Prozent des Wochenlimits inklusive. Danach nur noch über Usage Credits – also gegen Aufpreis.
Einordnung: Fable 5 bleibt das stärkste, aber auch teuerste und langsamste Modell. Für einfache Aufgaben lohnt es sich nicht. Nutze es gezielt für deine wichtigsten, komplexesten Aufgaben – für den Alltag reichen Sonnet 5 oder Opus 4.8.
3. Google legt eine Monsterwoche hin
Während alle auf Anthropic schauten, hat Google gleich mehrere Neuerungen ausgeliefert.
NotebookLM bekommt Shorts. Neben den bekannten Video-Overviews gibt es jetzt kurze, hochformatige Clips im Format 9:16 und rund einer Minute Länge. Sie fassen deine Quellen mit animierten Bildern, Bewegtschrift und Erzählstimme zusammen. Angekündigt am 30. Juni, zuerst für zahlende Ultra- und Pro-Abos auf Web und Mobile, angetrieben vom neuen Bildmodell Nano Banana 2 Lite. Dazu praktische Detailverbesserungen: Quellen lassen sich jetzt direkt im jeweiligen Studio-Werkzeug auswählen, Explainer-Videos akzeptieren einen eigenen Stil, und NotebookLM schlägt passende Themen aus deinen Quellen vor.
Nano Banana 2 Lite. Google hat eine schnelle, günstige Variante seines Bildmodells veröffentlicht. Die Qualität liegt unter dem regulären Nano Banana 2 – Details wirken weicher, Hintergrundgesichter verschwimmen – dafür generiert es in Sekunden. In Gemini wählst du dazu «Flash Lite». Für Bildbearbeitung oder Referenzbilder bleibt das reguläre Nano Banana 2 die bessere Wahl. Der Nutzen der Lite-Version liegt bei Tempo und Kosten, vor allem für Entwickler:innen mit eingebauter Bildgenerierung.
Omni Flash für Entwickler:innen. Das Video-Modell Gemini Omni Flash, seit Google I/O in Gemini und Flow verfügbar, gibt es neu über die Gemini API und das AI Studio. Wer eigene Anwendungen baut, kann Videogenerierung direkt einbinden.
Gemini-Mac-App und Spark. Die Mac-App hat lange wenig geboten. Jetzt kommen Notebooks zur Organisation der Chats, ähnlich wie Projekte. Wichtiger: Spark, Geminis cloudbasierter Agent (nur für Ultra), ist neu in der Mac-App und kann lokale Ordner anbinden – der Rechner muss dafür nicht laufen. Das rückt in die Nähe von Cowork oder Codex, ist aber noch nicht so weit. Neue Spark-Anbindungen: Canva, Dropbox, Instacart, OpenTable, Zillow Rentals, Google Tasks, Google Keep sowie Unterstützung für eigene MCP-Server. Wie so oft: In der Schweiz ist das alles noch nicht verfügbar. Google schafft es weiterhin nicht, seine Innovationen zeitnah bereitzustellen.
Gmail Live (Vorschau). Du kannst per Sprache mit Gmail chatten – E-Mails sortieren, beantworten, sichten – ähnlich wie mit Gemini Live.
Einordnung: Google baut breit aus, nicht in die Tiefe eines einzelnen Modells. Für die Praxis am relevantesten sind die NotebookLM-Shorts als schnelles Erklärformat und Spark mit lokalem Ordnerzugriff – Google zielt damit direkt auf agentische Desktop-Tools.
4. Anthropic baut die Modelle fürs Unternehmen aus
Rund um die beiden Modell-Launches hat Anthropic mehrere Werkzeuge für den Firmeneinsatz nachgeschoben.
Claude Managed Agents sind als Public Beta verfügbar. Damit kannst du eigene Agenten bauen, ohne selbst die Infrastruktur zu betreiben: Du definierst Aufgaben, Werkzeuge und Leitplanken, und Anthropic betreibt den Agenten auf seiner Infrastruktur. Ein eingebauter Orchestrator entscheidet, wann welches Werkzeug aufgerufen wird, wie der Kontext verwaltet wird und wie sich der Agent von Fehlern erholt. So kommst du in Tagen statt Monaten in den Produktivbetrieb. Die Agenten laufen stundenlang eigenständig, können nach Zeitplan starten und merken sich über eine dauerhafte Memory, was sie in früheren Läufen gelernt haben. Fable 5 läuft darin ohne Anpassung.
Advisor-Strategie. Fable 5 lässt sich als Berater-Modell einsetzen: Ein günstigeres Worker-Modell ruft es mitten in der Aufgabe zur Prüfung von Plan und Ergebnis auf. Das hebt die Qualität, ohne die ganze Aufgabe auf dem teuren Modell laufen zu lassen.
Claude Tag bringt Claude direkt in Slack. Du markierst @Claude in einem Kanal und übergibst eine Aufgabe – Claude zerlegt sie in Etappen, arbeitet sie mit seinen Werkzeugen ab und antwortet am Ende im Thread mit dem Resultat, während du an anderem weiterarbeitest. Claude merkt sich den Kontext der Kanäle, in denen es sitzt. Es ist «multiplayer»: Pro Kanal gibt es ein Claude, das mit allen im Team interagiert – kein privater Chatbot, sondern ein geteiltes Teammitglied. Verfügbar in der Beta für Enterprise- und Team-Kund:innen. Dazu kam am 30. Juni Claude Science, eine Workbench für Forschende.
Einordnung: Das Muster ist dasselbe wie bei den zentral verwalteten Anbindungen aus KW 26 und Mistrals Firmen-Nachrüstung aus KW 27: Die Anbieter machen ihre KI reif fürs Unternehmen. Weg vom Selbst-Einrichten durch jede einzelne Person, hin zu verwalteten, überwachten Prozessen.
5. Kurz und wichtig
Cursor bringt eine iOS-App – und gehört jetzt zu SpaceX. Das Coding-Werkzeug Cursor hat eine iOS-App gelauncht. Zur Einordnung: SpaceX hat die Cursor-Mutter Anysphere am 16. Juni für 60 Milliarden Dollar in einem reinen Aktien-Deal übernommen (Abschluss im dritten Quartal erwartet). Über die xAI-Fusion vom Februar landet damit auch Grok im selben Konzern. Cursor gehört also nicht mehr den vier MIT-Gründern allein, sondern wird Tochter von SpaceX.
Claude Design exportiert jetzt Videos. Das Werkzeug für Prototypen, Dokumente und Slides kann Entwürfe neu als Video-Datei ausgeben – praktisch für Animationen und Motion Graphics.
Google Sheets Canvas. Bereits an der Cloud Next im April vorgestellt, jetzt breiter im Einsatz: Aus statischen Tabellen werden interaktive Mini-Apps – Dashboards, Kanban-Boards, Kalender, Galerie-Ansichten – per Prompt an Gemini gebaut.
Drei Dinge, die du diese Woche beachten solltest
1. Stell deinen Standard auf Sonnet 5 um. Für Wissensarbeit bekommst du Opus-nahe Qualität, günstiger im Betrieb. Opus 4.8 hebst du dir für Komplexes auf, Fable 5 nur für die härtesten Aufgaben – vor allem, weil Fable 5 ab 7. Juli extra kostet.
2. Rechne bei Fable 5 mit Blockaden und Aufpreis. Der neue Schutzfilter leitet heikle Anfragen an Opus 4.8 um, und ab 7. Juli läuft Fable nur noch über Usage Credits. Für den Alltag brauchst du es nicht.
3. Test die NotebookLM-Shorts. Ein 60-Sekunden-Hochformat aus deinen eigenen Quellen ist ein schnelles Erklär- und Content-Format – für internes Wissen wie für Social Media.