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Bildgenerierung

KI-News KW 29 – Der Agenten-Wettlauf zieht ins Büro: Cowork mobil, OpenAI ChatGPT Work, Grok 4.5 und ein deutsches Souveränitäts-Modell

Der Agenten-Wettlauf erreicht das Büro: Claude Cowork läuft neu auf Web und Handy, OpenAI kontert mit GPT-5.6 und dem Agenten ChatGPT Work, xAI bringt mit Grok 4.5 ein Opus-Klasse-Modell zum halben Preis. Im Hintergrund fordern die grossen Plattformen mit einem eigenen Standard (ARD) Anthropics MCP heraus. Aus Europa kommt Bewegung: Deutschland launcht mit Soofi S ein offenes 30B-Industriemodell, das laut Konsortium das Schweizer Apertus übertrifft. Dazu eine Microsoft-Studie zur KI-Produktivität in der Schweiz – mit Vorbehalt.

1. Claude Cowork kommt auf Web und Mobile

Anthropic bringt Cowork auf Web und Handy. Bisher lief der Agent nur in der Desktop-App. Jetzt gehen Sessions und Dateien geräteübergreifend mit. Der Rollout läuft seit letzter Woche über die nächsten Wochen und startet mit den Max-Abos. Die verdoppelten Nutzungslimits verlängert Anthropic bis zum 5. August.

Drei Dinge ändern sich im Alltag:

Die Arbeit folgt dir. Aufgabe am Schreibtisch starten, unterwegs am Handy prüfen, Ergebnis überall abholen.

Die Arbeit läuft im Hintergrund weiter. Laptop zu, Claude macht weiter – geplante Tasks laufen ohne aktives Gerät.

Entscheidungen kommen zu dir. Bei einem Schritt, den nur du treffen kannst, fragt Claude nach; nichts wird ohne Freigabe verschickt.

Eine Zahl aus dem Blog ordnet ein, wofür Cowork genutzt wird: Über 90 Prozent der Nutzung ist keine Softwareentwicklung. Die grössten Kategorien sind Business Operations und Content Creation – zusammen rund die Hälfte.

Einordnung: Damit verlässt Cowork die Nische der Power-User am Desktop. Der Unterschied zu reinen Chatbots bleibt das Human-in-the-Loop-Prinzip: Der Agent arbeitet eigenständig, holt aber vor jedem heiklen Schritt deine Freigabe. Genau in dieser Woche zeigt sich, warum das zählt – die Konkurrenz zieht mit denselben Versprechen nach.

2. OpenAI kontert mit GPT-5.6 und ChatGPT Work

Am 9. Juli hat OpenAI GPT-5.6 öffentlich freigegeben – laut eigener Aussage das bisher fähigste System. Es kommt in drei Stufen: Sol als Spitzenmodell, Terra als ausgewogene Mittelklasse, Luna als schnelle und günstige Variante. Neu trennt OpenAI die Bezeichnung: Die Zahl steht für die Generation, Sol, Terra und Luna für dauerhafte Fähigkeitsstufen, die sich unabhängig weiterentwickeln.

Die Preise pro Million Token: Sol 5 Dollar Eingabe und 30 Dollar Ausgabe, Terra 2,50 und 15 Dollar, Luna 1 und 6 Dollar. Zur Einordnung: Sol liegt damit auf dem Preisniveau von Claude Opus 4.8 (5 und 25 Dollar), während Grok 4.5 beide klar unterbietet (2 und 6 Dollar). Der Preiskampf an der Spitze geht weiter.

Wichtiger für den Büroalltag ist ChatGPT Work. Der Agent soll ganze Aufgaben erledigen, nicht nur Fragen beantworten. Er verbindet OpenAIs Coding-Werkzeug Codex mit ChatGPT und zieht Kontext aus den Werkzeugen deines Teams zusammen. GPT-5.6 wird zudem das bevorzugte Modell in Microsoft 365 Copilot – in Word, Excel, PowerPoint, im Chat und in Copilots Agenten. Passend dazu übernimmt OpenAI die Firma Northslope, deren Ingenieur:innen sich direkt in Kundenorganisationen einnisten und KI-Systeme um deren reale Abläufe herum bauen – ein klares Signal, dass OpenAI seinen Firmen-Arm rund um ChatGPT Work verstärkt.

Einordnung: ChatGPT Work ist OpenAIs direkte Antwort auf Cowork und Claude Tag. Beide Anbieter verkaufen jetzt dasselbe: einen Agenten, der Arbeit übernimmt, statt Antworten zu liefern. Anthropic hat bei agentischer Wissensarbeit einen Vorsprung, weil Cowork, Claude Tag und die Managed Agents seit Wochen laufen. Ein besserer Benchmark heisst nicht automatisch besseres Alltagserlebnis – entscheidend ist, wie zuverlässig der Agent echte Aufgaben abschliesst. Für Firmen mit Microsoft-365-Umgebung ist die Copilot-Umstellung der praktisch relevanteste Punkt: Der Standard wechselt, ohne dass du etwas tust.

3. Grok 4.5 – Opus-Klasse zum halben Preis

SpaceXAI hat am 8. Juli Grok 4.5 vorgestellt. Elon Musk nennt es «ein Modell der Opus-Klasse, aber schneller, token-effizienter und günstiger». Das Modell baut auf dem 1,5-Billionen-Parameter-Fundament V9 auf und wurde mit echten Entwickler-Sitzungen aus Cursor trainiert – also mit Daten aus realer Arbeit in echten Codebasen über lange Sessions.

Grok 4.5 kostet 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 6 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Zum Vergleich: Claude Opus 4.8 liegt bei 5 und 25 Dollar. Verfügbar ist Grok 4.5 in Grok Build, in Cursor auf allen Plänen und über die SpaceXAI-Konsole. In der EU ist es noch nicht freigegeben, die Verfügbarkeit wird für Mitte Juli erwartet.

Einordnung: Drei Modelle in einer Woche – GPT-5.6, Grok 4.5, dazu Cowork mobil – und alle zielen auf dasselbe: agentische Arbeit, günstiger und schneller. Grok setzt klar auf Entwickler:innen und nutzt seine neue Konzernnähe zu Cursor (seit der SpaceX-Übernahme im selben Haus). Der Preisdruck auf die Spitzenmodelle nimmt zu.

4. Der Kampf um den Agenten-Standard: MCP gegen ARD

Ein strategischer Konflikt wird sichtbar. Laut «The Information» stellt sich diese Woche eine breite Allianz hinter einen neuen technischen Standard, der KI-Agenten mit Unternehmens-Software verbindet: Agentic Resource Discovery (ARD). Getragen wird er unter anderem von Google, Microsoft, Salesforce, Snowflake, ServiceNow sowie Cisco, Databricks, GitHub, NVIDIA und Hugging Face. Der Standard steht unter Apache-2.0-Lizenz, wird in offenen Repositories entwickelt und ist an die Linux Foundation angebunden.

Der Stich zielt auf Anthropic. Dessen Model Context Protocol (MCP) hat sich in den letzten rund 18 Monaten still zum De-facto-Standard entwickelt – auch OpenAI stützt sich darauf. Wichtig: MCP ist selbst ein offener Standard, den jede und jeder frei nutzen kann; die ARD-Unterstützer tun das längst. Und auch ARD ist offen (Apache-2.0-Lizenz, Linux Foundation). Es geht also nicht um offen gegen geschlossen, sondern darum, wessen Standard sich durchsetzt und wer die Richtung vorgibt.

Einordnung: Für dich als Anwender:in ändert sich kurzfristig nichts – MCP läuft weiter. Aber es zeigt, wo der eigentliche Machtkampf stattfindet: nicht beim schönsten Chat, sondern bei der Frage, über welche Schnittstelle Agenten an deine Systeme andocken. Wer den Standard kontrolliert, kontrolliert das Ökosystem. Dass ausgerechnet die grössten Software-Konzerne gemeinsam gegen Anthropics MCP antreten, ist ein Kompliment an dessen Erfolg.

5. Neue Bildmodelle bei Meta und Google

Zwei grosse Anbieter haben ihre Bildwerkzeuge aufgerüstet.

Meta Muse Image. Meta hat am 7. Juli sein erstes eigenes Bildmodell veröffentlicht, gebaut von den Superintelligence Labs (intern «Mango»). Es ist gratis in der Meta-AI-App, in Instagram Stories und in WhatsApp. Muse Image arbeitet agentisch: Es durchsucht das Web, schreibt und führt Code aus und verbessert seine Ergebnisse selbst. Es kann mehrere Fotos zu einem Bild verschmelzen und per Prompt bearbeiten – etwa eine Person vor ein Wahrzeichen setzen oder einen Störer aus dem Hintergrund entfernen. Kritik gab es sofort: Nutzer:innen können Bilder anderer Instagram-Konten mit KI verändern, solange das Profil öffentlich ist.

Google Photos Video Remix. Angetrieben vom Modell Gemini Omni, bringt Google Photos ab dem 8. Juli filmische Effekte in eigene Videos: neue Beleuchtung, ausgetauschte Hintergründe, künstlerische Stile. Der Rollout läuft für berechtigte Abos.

Einordnung: Bildgenerierung wird agentisch und wandert direkt in die Alltags-Apps, in denen Milliarden Menschen ohnehin sind. Für Content-Teams senkt das die Hürde weiter. Die Meta-Funktion, fremde öffentliche Bilder zu verändern, ist datenschutzrechtlich heikel – wer Instagram beruflich nutzt, sollte die Sichtbarkeit seiner Fotos prüfen.

6. Europa und Schweiz: Spezialisierung statt Chatbots

Während die grossen US-Labs um Allzweck-Agenten ringen, setzt Europa einen anderen Akzent.

Soofi S – Deutschlands souveränes Industriemodell. Ein deutsches Konsortium hat am 13. Juli Soofi S veröffentlicht, ein offenes 30B-Modell für industrielle KI. Koordiniert wird das Projekt vom KI-Bundesverband, finanziert vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des europäischen IPCEI-CIS-Programms. Beteiligt sind unter anderem die Fraunhofer-Institute IAIS und IIS, das DFKI, die TU Darmstadt und die Uni Würzburg, dazu die Firmen Ellamind und Merantix Momentum.

Technisch ist Soofi S sparsam gebaut: Von seinen 31,6 Milliarden Parametern sind pro Anfrage nur rund 3,2 Milliarden aktiv – das senkt Rechenaufwand und Kosten. Eine spezielle Architektur sorgt dafür, dass das Modell auch bei sehr langen Texten schnell und günstig bleibt – etwa bei umfangreichen technischen Dokumenten oder Verträgen, wo übliche Modelle spürbar langsamer und teurer werden. Trainiert wurde es vor allem auf Deutsch und Englisch, in der Cloud der Deutschen Telekom in München. Laut Pretraining-Report erreicht Soofi S unter den vollständig offenen Modellen die höchsten Werte auf deutschen und englischen Benchmarks – und übertrifft dabei das Schweizer Apertus 70B.

Die Basis-Gewichte liegen auf Hugging Face. Eine allgemeine Version zur direkten Nutzung gibt es aber noch nicht – aktuell läuft eine Testphase mit Industriepartnern, für die das Konsortium weitere Unternehmen sucht.

Einordnung: Soofi zielt nicht auf den Consumer-Chat, sondern auf technische Dokumentation, Code und agentische Systeme in Unternehmen – auf souveräner, europäischer Infrastruktur. Für die Souveränitäts-Debatte ist das ein echter Fortschritt: erstmals ein vollständig offenes Modell aus dem DACH-Raum, das dokumentiert stärker ist als Apertus. Deutschland und die Schweiz verfolgen dieselbe Idee, nur mit unterschiedlichem Fokus – Soofi industriell, Apertus als Public Good.

Mistral Leanstral 1.5. Mistral hat am 2. Juli ein offenes Modell veröffentlicht, das mathematisch beweist, dass Software korrekt funktioniert – statt sie nur zu testen. Der Unterschied: Ein Test zeigt, dass ein Programm in den geprüften Fällen läuft; ein solcher Beweis garantiert, dass es in allen Fällen korrekt arbeitet. Laut Mistral hat das Modell bereits unbekannte Fehler in bestehendem Open-Source-Code gefunden.

Relevant ist das für sicherheitskritische Software – in Medizin, Luftfahrt oder Finanzsystemen –, wo «funktioniert meistens» nicht genügt. Europas Stärke liegt weniger im nächsten Chat-Assistenten als in solcher spezialisierten, verlässlichen KI.

Schweiz nutzt KI produktiver – aber unstrukturiert. Microsoft Schweiz hat den «Work Trend Index» veröffentlicht. Grundlage: anonymisierte Produktivitätsdaten aus Microsoft 365 und eine Befragung von 20'000 KI-Nutzenden in zehn Ländern. 65 Prozent der KI-Nutzenden in der Schweiz sagen, sie erzielten heute Ergebnisse, die vor einem Jahr nicht möglich gewesen wären. Global sind es 58 Prozent.

Der Haken: Der Vorteil beruht auf Einzelnen, nicht auf Strategie. Nur 24 Prozent sagen, die Führungsebene sei bei KI klar auf einer Linie. Nur 48 Prozent fühlen sich sicher genug, sich auf aktuelle Ziele zu konzentrieren. Die Produktivitätsgewinne werden also kaum genutzt, um Arbeitsabläufe neu zu gestalten. Passend dazu die BDO-Analyse: Die Kluft zwischen Grossunternehmen und KMU wächst – Grosse integrieren KI in die Wertschöpfung, viele KMU bleiben bei Einzelanwendungen stehen.

Ein Vorbehalt zur Studie: Sie stammt von Microsoft, dem Anbieter von Copilot. In der Praxis wird Copilot oft nicht sauber eingeführt, die Nutzung bleibt unstrukturiert. Viele Mitarbeitende sind von der Leistung enttäuscht und weichen auf ChatGPT und Claude aus – eine Schattennutzung, die solche Zahlen kaum erfassen.

Kurz und wichtig

«Wir müssen jetzt handeln». Über 200 Ökonom:innen und KI-Forschende, darunter 16 Nobelpreisträger:innen, haben am 13. Juli einen Aufruf des Stanford Digital Economy Lab unterzeichnet. Organisiert von Erik Brynjolfsson und Kolleg:innen, warnt er vor einem Umbruch «grösser als die industrielle Revolution, aber in weit kürzerer Zeit» – mit dem Risiko grossflächiger Jobverdrängung. Auch Führungskräfte von Anthropic, Google und OpenAI haben unterschrieben. Die Forderung: Politik, Wirtschaft und Forschung sollen jetzt Institutionen und Regeln aufbauen, damit KI menschliche Fähigkeiten ergänzt statt ersetzt.

Apple verklagt OpenAI. Apple hat am 11. Juli eine Klage wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen eingereicht. Kern: Über 400 ehemalige Apple-Mitarbeitende arbeiten inzwischen bei OpenAI, viele aus den Teams für Chip- und On-Device-KI. Das Ganze eskalierte übers Wochenende zu einer öffentlichen Fehde zwischen Elon Musk und Sam Altman auf X.

Claude Corps. Anthropic startet ein bezahltes 12-monatiges Fellowship, das künftige KI-Fachleute direkt in Non-Profit-Organisationen ausbildet.

GPT-Live. OpenAI hat neue Voll-Duplex-Sprachmodelle vorgestellt (GPT-Live-1 und mini). Sie hören, sprechen und denken gleichzeitig statt im Wechsel – mit Echtzeit-Übersetzung, Websuche im Gespräch und Aufgaben-Delegation an andere Agenten.

KI-Modelle bleiben angreifbar. Ein Cisco-Report warnt: Gute Ergebnisse in einfachen Sicherheitstests bedeuten wenig – mehrstufige Angriffe knacken KI-Modelle weiterhin zuverlässig.

Ausblick. Geleakten Plänen zufolge soll Google Gemini 3.5 Pro am 17. Juli allgemein verfügbar machen – unbestätigt.

Drei Dinge, die du diese Woche beachten solltest

1. Teste Cowork mobil, wenn du Max nutzt. Die Arbeit folgt dir jetzt aufs Handy, und geplante Tasks laufen ohne aktives Gerät. Genau das ist der Sprung vom Chatbot zum Agenten – und der Grund, vor jedem heiklen Schritt die Freigabe im Blick zu behalten.

2. Prüfe deine Microsoft-365-Umgebung. GPT-5.6 wird zum Standardmodell in Copilot – in Word, Excel, PowerPoint und Chat. Der Wechsel passiert automatisch. Schau, was sich für dein Team ändert.

3. Schliess die Strategie-Lücke. Die Schweiz ist bei der KI-Produktivität vorn, aber nur auf Ebene Einzelner. Der Hebel liegt nicht im nächsten Tool, sondern darin, Abläufe neu zu denken und die Führung auf eine Linie zu bringen.

Bereit, KI strategisch anzugehen?

30-minütiges Erstgespräch – kostenlos und unverbindlich. Wir schauen gemeinsam wo ihr steht und was der richtige erste Schritt ist.

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